Die Fälle haben viele Eltern verunsichert

Joel kam mit einer Fehlbildung zur Welt: Wir sprechen nun mit einer stolzen Mutter

Wir sprechen mit einer stolzen Mutter Baby mit Fehlbildung geboren
00:52 min
Baby mit Fehlbildung geboren
Wir sprechen mit einer stolzen Mutter

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RTL hat mit Betroffenen Kontakt aufgenommen

Die Berichte über fehlgebildete Babys haben viele Menschen in Deutschland - vor allem werdende Eltern - tief berührt, aber auch verunsichert. Auch, weil es noch keine medizinische Erklärung für die plötzliche Häufung der Fälle gibt. Inzwischen haben wir von RTL mit vielen Betroffenen Kontakt aufgenommen. Unter ihnen ist auch Susann Eife. Wir haben erstmals mit ihr gesprochen, als sie gerade erfahren hat, dass ihr Sohn Joel mit einer Fehlbildung zur Welt kommen wird. Jetzt ist der Kleine da - im Video spricht die stolze Mutter.

Dr. Christiane Otto: „Die Frauen, die hier Termine haben, fragen schon gezielt nach"

Dr. Christiane Otto von der Universitätsklinik Mannheim: Auch wir schauen nun genauer auf die Ultraschall-Bilder.
Dr. Christiane Otto von der Universitätsklinik Mannheim: Auch wir schauen nun genauer auf die Ultraschall-Bilder.
Marko Orlovic, RTL

Dr. Christiane Otto von der Universitätsklinik Mannheim behandelt fast täglich Frauen, die Angst davor haben, ein Kind mit Behinderung auf die Welt zu bringen. Nach den mysteriösen Häufungen der Fälle, zuletzt im nordrhein-westfälischen Gelsenkirchen, habe die Verunsicherung noch zugenommen. „Die Frauen, die hier Termine haben, fragen schon gezielt nach. Sind denn alle Finger und alle Hände da", erzählt Dr. Otto. Es gehöre zwar zu ihrer Routine, dass per se alle Finger und Zehen abgezählt würden, trotzdem würden die Ärzte nun aber noch genauer auf die Ultraschall-Bilder schauen.

Frage des Schwangerschaftsabbruchs

Pregnancy stock.A woman eight months into her pregnancy. Picture date: Sunday September 5, 2010. Photo credit should read: Katie Collins/PA URN:9412599
Die Meldung über die Häufung der Vorfälle in Gelsenkirchen hat viele Eltern verunsichert.
picture alliance / empics, Katie Collins

Schwierig wird es für Dr. Otto aber dann, wenn tatsächlich eine Auffälligkeit zu sehen ist und sie mit der werdenden Mutter über einen Schwangerschaftsabbruch sprechen muss. Es gäbe kein richtig oder falsch, wie eine Frau in so einer Lebenslage entscheidet, doch müsse man am Ende mit der Schuld leben, "dass man sich gegen dieses Kind entschieden hat“, erklärt Dr. Ott. „Diese Schuld bleibt, die nimmt einem auch keiner weg, von daher muss man diese Entscheidung gegen das Kind auf sehr feste Füße stellen“, sagt die Ärztin.

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Gesundheitsbehörde gibt Entwarnung

Noch wissen viele Eltern nicht, wie es zu den Fehlbildungen kommen konnte. Das Bundesgesundheitsministerium teilte auf Anfrage nur mit, dass man sich nicht zuständig fühle und verwies auf die Länder. Die Gesundheitsbehörde von Nordrhein-Westfalen hatte die Abfrage seiner Krankenhäuser am Montag abgeschlossen und vermeldet, dass es keine Häufung von Arm- und Handfehlbildungen bei Neugeborenen in bestimmten Städten gibt. 2019 seien 61 Fehlbildungen der oberen Extremitäten gemeldet worden, das seien weniger als 0,1 Prozent aller Neugeborenen.

Unterdessen rätseln viele Mediziner über die mögliche Ursache. Wir haben bei einem Experten nachgefragt.

Was ist der Grund für die Fehlbildungen bei Babys? Finger oder Hände nicht ausgebildet
01:48 min
Finger oder Hände nicht ausgebildet
Was ist der Grund für die Fehlbildungen bei Babys?

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Berliner Charité untersucht Fälle aus Gelsenkirchen

ARCHIV - 13.09.2019, Nordrhein-Westfalen, Gelsenkirchen: Das Sankt Marien-Hospital Buer. Hier hat es eine ungewöhnliche Häufung von Neugeborenen mit Handfehlbildung gegeben. (zu dpa "Babys mit Fehlbildungen: NRW-Ministerium will alle Kliniken abfrage
Im Sankt Marien-Hospital Buer hat es eine ungewöhnliche Häufung von Neugeborenen mit Handfehlbildung gegeben.
mku kno kde, dpa, Marcel Kusch

Handelt es sich bei den Fällen in Gelsenkirchen also nur um eine rein zufällige Häufung? Die Berliner Charité versucht nach wie vor herauszufinden, was die drei betroffenen Frauen aus Gelsenkirchen gemeinsam haben. Dazu müssen sie zunächst befragt werden. Wie das erfolgen könnte, erklärt Dr. Otto: „Man könnte sich vorstellen, dass sie vielleicht gucken, wo sie spazieren gegangen sind? Ob sie bestimmte Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Medikamente oder ähnliches eingenommen haben." Doch die Ärztin bleibt skeptisch, ob man so wirklich etwas finden wird.

Einen Zusammenhang zwischen den Fällen konnte bereits die Klinik in Gelsenkirchen nicht feststellen. „Wir konnten keine ethnischen, kulturellen oder sozialen Gemeinsamkeiten der Herkunftsfamilien sehen“, heißt es. Alle Familien wohnten aber im lokalen Umfeld der Klinik in Nordrhein-Westfalen. Die Berliner Charité wollte sich noch nicht inhaltlich zu den Fällen äußern.

mo