Erste Schwarze Frau, die fürs zweithöchste Amt antritt

Joe Bidens neue Vize-Präsidentin: Das ist Kamala Harris

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© AP, David J. Phillip, KJ

12. August 2020 - 10:50 Uhr

von Peter Kleim, Washington

Nun ist es raus: Kamala Harris soll Joe Bidens Vize-Präsidentin werden. Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten gab seine Entscheidung per SMS von seinem Wohnort Wilmington, Delaware bekannt. Mit der Nominierung der Senatorin aus Kalifornien hat Joe Biden eine historische Entscheidung getroffen: Die 55-Jährige ist die erste Schwarze Frau, die für das zweithöchste Amt der Vereinigten Staaten antritt.

Sie durfte wegen ihrer Hautfarbe nicht mit den Nachbarskindern spielen

"Das ist Joe Biden," schrieb Donald Trumps Herausforderer, "Ich habe Kamala Harris als Vize-Präsidentschaftskandidatin gewählt. Zusammen, und mit Euch, werden wir Trump schlagen."

Die 55jährige Kamala Harris kam in Oakland, Kalifornien als Tochter einer aus Indien eingewanderten Medizinerin und eines aus Jamaika eingewanderten Ökonomie-Professors zu Welt. Ihre Eltern ließen sich scheiden, als sie sieben Jahre alt war. Wenn sie damals zusammen mit ihrer jüngeren Schwester ihren in Stanford lehrenden Vater besuchte, durfte sie nicht mit den Nachbarkindern spielen. Kamala war schwarz.

Harris war Justizministerin in Kalifornien

Ihre politische Karriere begann Harris als Staatsanwältin in San Francisco und Justizministerin von Kalifornien, bevor sie 2016 in den US-Senat gewählt wurde. Ihre Erfahrung in der Justiz ist Fluch und Segen zugleich in diesem Jahr der Black Lives Matter-Proteste: für linke Aktivisten stand sie der Polizei zu nah, doch Donald Trump kann sie kaum als gefährlichen Bürgerschreck darstellen.

"Sie erfüllt alle Anforderungen: farbige Frau, erfahren im Wahlkampf, auch auf nationaler Ebene," sagt uns Mark McKinnon, ein ehemaliger Wahlkampfberater von George W. Bush, "Harris ist absolute A-Klasse."

Kamala Harris wird am siebten Oktober in einem TV-Duell gegen den amtierenden Vize-Präsidentin Mike Pence antreten. Dann kann die Ex-Staatsanwältin ihre bei Anhörungen im Senat häufig vorgeführten inquisitorischen Fragen und scharfen Anklagen abfeuern. Die Corona-Krise liefert reichlich Stoff.

Viele Wähler könnten denken: Sie ist auch die nächste Präsidentin

Die Nominierung ist die bislang wichtigste Entscheidung von Joe Biden. Denn noch nie erschien die ein Vize-Präsidentschaftskandidaten so bedeutsam wie dieses Jahr. Warum? Zuerst einmal wegen Bidens Alter. 

"Da ist diese Wahrnehmung - und auch ein bisschen zurecht, dass Biden hier und da einen kleinen Aussetzer hat", sagt Mark McKinnon, "Es gibt die berechtigte Erwartung, dass Biden, wenn er gewinnen würde, nur eine Amtszeit erfüllt. Deshalb werden die Wähler denken, dies könnte nicht nur unsere Vize-Präsidentin werden, sondern auch die dann nächste Präsidentin."

Zum anderen ist Joe Biden nicht nur alt an Lebensjahren. Für viele in der Partei vertritt er auch eine alte Politik und das, vor allem von junge Wähler als langweilig empfundene Partei-Establishment. Kamala Harris kann die Brücke zur jungen, linken Basis schlagen. Und vor allem die schwarzen Wähler in Großstädten wie Detroit, Philadelphia und Milwaukee begeistern. Weil viele von denen 2016 zuhause geblieben waren, hatte Hillary Clinton die wahlentscheidenden Staaten Michigan, Pennsylvania und Wisconsin ganz knapp an Donald Trump verloren.

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