Jobs gibt es viele, Geld gibt es wenig

01. November 2011 - 14:13 Uhr

Frauen und Jugendliche besonders betroffen

Immer mehr Deutsche müssen zu Niedriglöhnen arbeiten. Die 'Leipziger Volkszeitung' zitiert bisher unveröffentlichte Zahlen der Bundesagentur für Arbeit: Demnach ist der Anteil der Vollzeitbeschäftigten mit Niedriglöhnen im vergangenen Jahr auf 23 Prozent gestiegen. Das sind 4,6 Millionen Menschen.

Niedriglohn: Frauen und Jugendlich besonders betroffen.
Niedriglohn: Frauen und Jugendliche sind besonders betroffen.
© dpa, Siewert Falko

Besonders alarmierend ist, dass sich unter den Arbeitnehmern mit geringen Löhnen viele Frauen befinden. So verdient jede dritte Frau weniger als zwei Drittel des Durchschnittslohns. Gleiches gilt übrigens auch für Jugendliche unter 25 Jahren. Der Durchschnittslohn liegt in Westdeutschland bei 1.890 Euro und im Osten bei 1.379 Euro.

Der Durchschnittslohn ist die Schwelle zum Niedriglohn, so wie ihn die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) definiert.

CDU: Mindestlohn für alle Branchen?

Die CDU schwenkt offenbar auf den Kurs ein, dass es künftig Mindestlöhne für alle Branchen in Deutschland geben soll. Aus Parteikreisen verlautete, dass die Antragskommission vorschlage, allgemeine Lohnuntergrenzen von einem Komitee aus Tarifpartnern festlegen zu lassen. Es handele sich also nicht um einen "politischen" Mindestlohn.

Die 'Welt am Sonntag' berichtet, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Einführung eines Mindestlohnes in Deutschland vorbereite. Merkel habe zwei Vertreter unterschiedlicher Parteiflügel gebeten, ein gemeinsames Modell zu erarbeiten und dies auch mit Gewerkschaften und Arbeitgebern rückzukoppeln.

Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister dringt auf eine Neuorientierung der CDU in der Sozialpolitik. "Wir müssen uns heute eingestehen, dass es teilweise zu niedrige Löhne in Deutschland gibt", sagte der Politiker in einem Gespräch mit der 'Hannoverschen Allgemeinen Zeitung'.

Die Frage der angemessenen Bezahlung sei von zentraler Bedeutung für die soziale Gerechtigkeit. Für die CDU als Partei der sozialen Marktwirtschaft müsse das ein zentrales Thema sein. Seine Partei könne sich auf ihrem Bundesparteitag Mitte November sozial- und wirtschaftspolitisch weiterentwickeln. Es gehe darum, "soziale Verwerfungen im Niedriglohnsektor wirksamer zu verhindern".

Nach Ansicht McAllisters sollte das Bundesarbeitsministerium prüfen, ob eine Änderung des Mindestarbeitsbedingungsgesetzes hilfreich wäre. Außerdem forderte er, den Missbrauch der Leiharbeit einzuschränken. "Nach einer angemessenen Einarbeitungszeit muss auch in der Leiharbeit der Grundsatz gelten: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit am gleichen Ort", sagte der Ministerpräsident.