Job-Kahlschlag in der Autobranche

BMW und ZF Friedrichshafen streichen tausende Stellen

BMW-Arbeiter montieren einen SUV.
© via REUTERS, BMW, CLH/

05. Juni 2020 - 21:36 Uhr

Verwöhnte Autobranche steckt in der Coronakrise

Der Job-Kahlschlag in der Autobranche geht weiter: Der Zulieferer ZF Friedrichshafen will wegen des Absatzeinbruchs in der Coronakrise allein in Deutschland bis zu 7.500 Stellen streichen. Und auch der Münchner Autobauer BMW will möglichst bald 6.000 Arbeitsplätze einsparen.

BMW will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden

Der BMW-Vorstand verhandelt mit dem Betriebsrat darüber, wie er ohne betriebsbedingte Kündigungen möglichst bald rund 6.000 der weltweit 126.000 Arbeitsplätze streichen kann. Personalchefin Ilka Horstmeier sagte, neben dem Abbau von Zeit- und Urlaubskonten sowie Kurzarbeit "kommen wir nicht umhin, jetzt weitere Maßnahmen zu ergreifen".

Geprüft werde, Mitarbeiter zwei oder drei Jahre vor dem gesetzlichen Rentenalter mit einer Abfindung früher in den Ruhestand zu schicken. Es gibt aber auch gute Nachrichten aus München: Die rund 800 fertig werdenden Azubis sollen übernommen werden. Außerdem sollen sich junge Mitarbeiter für ein Studium oder eine Qualifizierung freistellen lassen können mit der Garantie, danach wieder bei BMW arbeiten zu können. Weitere Maßnahmen: Statt Urlaubsgeld soll es mehr Urlaubstage geben, 40-Stunden-Verträge auf 35 Stunden gekürzt werden.

Autozulieferer ZF Friedrichshafen warnt 148.000 Mitarbeiter: "Die Krise wird länger dauern"

Beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen sollen wegen des Absatzeinbruchs in der Corona-Krise in den kommenden fünf Jahren bis zu 15.000 Stellen gestrichen werden. "Aus heutiger Sicht müssen wir bis 2025 weltweit unsere Kapazitäten anpassen und 12.000 bis 15.000 Arbeitsplätze abbauen, davon etwa die Hälfte in Deutschland", heißt es in einem Brief von Vorstandschef Wolf-Henning Scheider an die 148.000 Mitarbeiter, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. Der "Südkurier" und die "Saarbrücker Zeitung" hatten als erste darüber berichtet. Dem Konzern, dem zwei Stiftungen gehören, drohten "als Folge des Nachfragestopps auf Kundenseite" in diesem Jahr "hohe finanzielle Verluste", schreibt Scheider der Belegschaft.

Der Vorstand habe die Gewerkschaft IG Metall und die Arbeitnehmervertreter bereits über die Lage und die geplanten Maßnahmen informiert, heißt es in dem Brief weiter. Die Details würden in den nächsten Wochen ausgearbeitet. "All dies ist leider notwendig, um ZF nachhaltig zu sichern, und an die neue wirtschaftliche Realität anzupassen." Die zur Bewältigung der Corona-Krise getroffenen Vereinbarungen, etwa zu Kurzarbeit und Gehaltsverzicht, reichten bei Weitem nicht aus. "Denn die Krise wird länger dauern und wir werden selbst 2022 beim Umsatz spürbar unter unseren Planungen liegen."