Joachim Löw bleibt Bundestrainer

3. Juli 2018 - 17:24 Uhr

DFB spricht Löw Vertrauen aus

Die Katze ist aus dem Sack: Joachim Löw bleibt trotz des blamablen Vorrunden-Aus bei der WM in Russland Bundestrainer. Das bestätigte der Deutsche Fußball-Bund nach einer Präsidiumssitzung. Nach DFB-Angaben habe man Löw noch einmal versichert, dass der Bundestrainer das volle Vertrauen der DFB-Spitze genieße, um die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zu führen. Man will einen Neuanfang - mit bewährten Kräften.

Jogi will einen Neuanfang

ARCHIV - 24.05.2018, Italien, Eppan: Bundestrainer Joachim Löw gibt beim Mannschaftstraining auf dem Trainingsgelände am Sportzentrum Rungg Anweisungen. Löw macht nach Informationen von «Bild» und «Sport Bild» trotz des Vorrunden-Aus bei der Weltmeis
Joachim Löw will bis 2022 weitermachen.
© dpa, Christian Charisius, sash fdt

"Wir hatten einen sehr offenen und vertrauensvollen Austausch, in dem wir viele Punkte angesprochen haben. Wir sind alle der festen Überzeugung, dass wir mit Jogi Löw einen Bundestrainer haben, der sehr genau analysieren, die richtigen Schritte einleiten und unsere Mannschaft zurück in die Erfolgsspur führen wird", sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel.

Viel Kredit für einen Bundestrainer, der ein historisch schlechtes Abschneiden bei einer WM zu verantworten hat. Ein Makel, den der einstige Weltmeister-Trainer mit Erfolgen vergessen machen will. "Auch meine Enttäuschung ist nach wie vor riesig. Aber ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten", so Löw.

Man werde das WM-Aus analysieren "und zum Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen. Das alles braucht Zeit, wird aber alles rechtzeitig bis zum Start in die neue Länderspielsaison im September geschehen", sagte Löw. Die Zeit rennt, der Erfolgsdruck ist da, und die Stimmung ist in Teilen der Mannschaft auf einem Tiefpunkt.

Team in zwei Lager gespalten

So attackieren Insider aus der Nationalmannschaft – Spieler und Teammitglieder – nach Berichten der 'FAZ' die sportliche Führung der Nationalmannschaft. Die Gründe für das Ausscheiden seien hausgemacht, heißt es aus Spielerkreisen. Und die Verantwortung dafür liege bei Löw.

So sei die Mannschaft dem Bericht zufolge in zwei Lager gespalten. Zwischen den etablierten Spielern, die 2014 Weltmeister geworden waren, und der jüngeren Gilde, die im vergangenen Jahr den Confed Cup gewonnen hatte, kam es offenbar immer wieder zu Konflikten. Für Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff offensichtlich kein Grund einzuschreiten. Der Konflikt schwelt bis heute.

Sonderstatus von Neuer ein Problem

Laut 'FAZ' hätten sich mehrere Spieler, ohne namentlich genannt werden zu wollen, über den Führungsstil und die Entscheidungen von Löw beklagt. Dass der Bundestrainer Kapitän Manuel Neuer nach dessen Verletzung einen Sonderstatus einräumte, soll "für einige Spieler" ein Problem gewesen sein. Löw habe damit "dem Leistungsgedanken und der Leistungsgerechtigkeit geschadet".

Dass Löw 'seinen' verdienten Spielern weiterhin vertraute, obwohl viele ihr Niveau kaum erreichten – ein Stachel im Fleisch der jungen Garde. Vielmehr sei der Einsatz der Nicht-Weltmeister im Training kaum honoriert worden, zitiert die 'FAZ' aus 'Spielerkreisen'. Beginnt jetzt die Selbstzerfleischung?

Watzke stichelt gegen DFB

Für Neuer, einen der Altvorderen, ist die Entscheidung des Bundestrainers in jedem Fall ein Segen. "Ich freue mich, dass wir mit Jogi Löw unseren lange Zeit erfolgreichen Weg fortsetzen können. Und ich habe das Vertrauen, dass wir gemeinsam wieder zu unserer Stärke finden", sagte der Kapitän der Nationalmannschaft.

Auch Bierhoff steht voll hinter dem Bundestrainer. Er habe schnell bei sich und Löw "die Energie gespürt, dass wir das so nicht beenden können, dass wir noch einiges zu sagen haben, dass wir bereit sind, den neuen Weg zu gehen", sagte der Nationalmannschaftsmanager. "Schwierigkeiten bringen einen noch enger zusammen. Es war schon immer unglaublich eng", so Bierhoff. Die "Ursachenforschung" für den WM-K.o. laufe längst: "Es ist die Notwendigkeit, sich darüber Gedanken zu machen, aber noch keine Notwendigkeit, irgendwas zu verkünden oder anzukündigen. Das muss gut durchgedacht und vorbereitet sein." 

Aus der Liga hört man hingegen auch kritische Stimmen. "Jeder, der die Szene seit vielen Jahren kennt, konnte riechen, dass es genau so kommen wird. Ich hatte den Eindruck, dass es gar keine Entscheidung innerhalb des DFB gab, sondern dass man darauf gesetzt hat, dass sich Löw dann so entscheidet. Das sportlich zu bewerten, ist nicht unsere Aufgabe", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Rückendeckung klingt anders.