Jetzt spricht der Vater des Amokfahrers von Münster: Jens R. war psychisch krank

10. April 2018 - 17:06 Uhr

Jens R. und sein Vater hatten ein schwieriges Verhältnis

Was viele vermutet hatten, bestätigt nun der Vater des Täters: Jens R., der mutmaßliche Amokfahrer von Münster, war psychisch krank. Vater und Sohn hatten ein schwieriges Verhältnis und vor einem Vierteljahr zum letzten Mal Kontakt.

Das Motiv der Amokfahrt von Münster ist weiterhin unklar

Die Polizei sieht die Suizidabsicht von Jens R. inzwischen als bewiesen an. Darauf deuten verschiedene Gegenstände hin, die im Tatfahrzeug und in seiner Wohnung gefunden wurden. Das Motiv für die Tat ist jedoch weiterhin unklar.

Aussagen vom Vater des Täters könnten jedoch wichtige Aufschlüsse geben. Der 79-jährige Möbeldesigner aus Madfeld im Hochsauerland ist sich sicher: Sein Sohn war psychisch krank. Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte er, seine psychische Verfassung habe Jens R. zu der Wahnsinnstat getrieben: "Es war eine Krankheit, die ihn in zwei Welten hat leben lassen".

Wird die Polizei das Verbrechen jemals vollständig aufklären können?

Der 48-jährige Jens R. war alleinstehend, kinderlos und konnte seit einer Rücken-OP vor zweieinhalb Jahren nicht mehr arbeiten. Seit der Operation habe er sehr gelitten und psychische Behandlung in Anspruch genommen, so der Vater. Der 79-jährige schließt auch Behandlungsfehler nicht als mögliche Ursache aus. Ob die Polizei das Motiv der Tat jemals aufdecken wird, bezweifelt er hingegen. "Das Motiv war die Krankheit in seinem Kopf", so Jens R.s Vater. "Er bildete sich etwas ein, was das Gegenteil der Wirklichkeit war." Seinen Aussagen nach litt sein Sohn unter Verfolgungswahn.

Jens R. galt seit 2015 suizidgefährdet

Der dpa bestätigte der Vater ebenfalls, dass sein Sohn selbstmordgefährdet war. "Er hat damals am Telefon gesagt, es gehe ihm sehr schlecht. Da ist auch der Satz gefallen: 'Vielleicht lebe ich ja nicht mehr lange.'" Als der 79-jährige jedoch 2015 seine Bedenken dem sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt Münster meldete, zeigte Jens R. ihn wegen Verleumdung an. Der Vorfall hat das Verhältnis zwischen Vater und Sohn sehr belastet. Der letzte Kontakt liegt ein Vierteljahr zurück.

Die Amokfahrt von Münster

Jens R. hatte am Samstag einen Campingbus in eine Menschenmenge gesteuert - die Wochenendidylle in der Münsteraner Innenstadt kam jäh zum Stillstand. Der Amokfahrer riss zwei Menschen mit sich in den Tod. Fünf der 20 Verletzten schweben aktuell noch in Lebensgefahr.