Minenarbeiter graben sich zu dem Zweijährigen durch

Jetzt beginnt die heiße Phase in Totalán: Das ganze Dorf betet mit Julens Eltern

25. Januar 2019 - 6:40 Uhr

Julens Bergung steht kurz bevor

Es ist nur noch eine Frage von Stunden, bis die Retter den Unglücksschacht erreichen, in dem Julen seit dem 13. Januar verschüttet ist. Die Arbeiter haben mit der letzten Phase der Bergungsarbeiten begonnen. Rund um den Rettungsschacht wurden Zelte und Sichtschutz aufgebaut. Aktuelle Bilder von der Unglücksstelle – im Video.

Ganz Totalán zeigt Solidarität mit Julens Eltern

Julens Eltern
Auch Julens Eltern nahmen an der Nachtwache für ihren Sohn in Totalán teil. (Foto: RTL)

Acht erfahrene Bergleute sind im Moment dabei einen Verbindungstunnel zu der Stelle zu graben, wo Julen vermutet wird. Zeitgleich findet ganz in der Nähe eine Nachtwache für den Zweijährigen statt. Dorfbewohner, Freunde, Familienangehörige und auch Julens Eltern haben sich versammelt, um gemeinsam zu beten und zu hoffen.

Auch Juan José Cortés, dessen Tochter 2008 verschleppt und ermordet wurde, war vor Ort. Er unterstützt Julens Eltern seit Tagen in ihrer schwierigen Situation. Denn er weiß genau, wie es ist, Angst um ein Kind zu haben. Er war es, der José und Victoria half, die Tage der Ungewissheit zu überstehen, ohne den Verstand zu verlieren. "Wir sind jedes Mal näher als am ersten Tag. Jetzt, am elften Tag, sind wir dem Ende näher gekommen", erklärte er im RTL-Interview. "Jetzt müssen wir uns dem ersten Schritt stellen, Julen zu finden. Und danach sehen wir, was kommt."

Auch bei der Nachtwache für Julen hielt Cortés eine emotionale Rede. Die Menschen sangen spanische Folklore-Lieder. Julens Eltern standen Arm in Arm dabei, sangen und weinten, wie RTL-Reporterin Pia Schrörs berichtete.

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"Wir dürfen Julen nicht verlieren"

José und Victoria haben schon mal einen schweren Schicksalsschlag verkraften müssen: Julens älterer Bruder starb an Herzversagen. "Julen war für sie wie eine Erleichterung", erzählt Cortés, der viel mit den Eltern gesprochen hat. "Und sie sagen jetzt: Ohne Julen ist diese Erleichterung weg. Wir dürfen Julen nicht verlieren." Sie haben immer noch Hoffnung und möchten nichts lieber, als ihren kleinen Sohn wieder in die Arme zu schließen.

Doch seit der Junge in das nur 25 bis 30 Zentimeter breite Bohrloch gefallen ist, gibt es kein Lebenszeichen mehr von ihm. Retter fanden lediglich Haare und eine Tüte Süßigkeiten, die Julen bei sich hatte. Dann versperrte lose Erde der mobilen Kamera die Sicht. Immer wieder hatten Schwierigkeiten die Bergungsarbeiten verzögert. Jetzt sind die Einsatzkräfte aber zuversichtlich, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die Arbeiter Julen aus dem Schacht herausholen. Zumindest die Ungewissheit wird dann für Julens Eltern vorbei sein, die immer noch auf ein Wunder hoffen.