Regierungserklärung des Gesundheitsministers zum Coronavirus

Spahn: „Aus der Corona-Epidemie in China ist eine weltweite Pandemie geworden“

04.03.2020, Berlin: Jens Spahn (CDU), Bundesgesundheitsminister, gibt zu Beginn der Plenarsitzung im Deutschen Bundestag eine Regierungserklärung zur Bekämpfung des Coronavirus in Deutschland ab. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bundestag - Regierungserklärung zu Coronavirus
bvj fdt, dpa, Bernd von Jutrczenka

Spahn spricht über aktuelle Auswirkungen des Coronavirus

Gesundheitsminister Jens Spahn hat am Freitag im Bundestag eine Regierungserklärung zum Coronavirus abgegeben. Dabei sprach er über die aktuelle Lage und mögliche weitere Entwicklungen. ​

Gesundheitsminister Jens Spahn: "In Deutschland hat eine Epidemie begonnen"

In Europa gibt es mittlerweile rund 3000 Infektionen, davon 240 in Deutschland. Die meisten Fälle treten in Nordrhein Westfalen auf.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik seien Bürger und Bürgerinnen zentral in Quarantäne genommen worden. Durch die konsequente Quarantäne der Betroffenen und ihren Kontaktpersonen, sei eine weitere Ausbreitung verhindert worden. Bis Anfang letzter Woche gab es nur 16 Infizierte.

Diese Situation habe sich geändert. „Seit vergangener Woche befinden wir uns in Deutschland und Europa in einer neuen Lage. Auch in Deutschland hat eine Epidemie begonnen.“, so Spahn.

Viruslast besonders im Rachenraum sehr hoch

In der Forschung zu dem Coronavirus gebe es mittlerweie eine wichtige neue Erkenntnis: Die Viruslast sei besonders im Rachenraum sehr hoch. Das mache für die Beurteilung des Risikos einen großen Unterschied: „Nach allem was wir heute wissen, verläuft die übergroße Mehrheit der Infektionen Symptomfrei bis milde“. Das Virus sei deutlich weniger ansteckend als beispielsweise eine Maserninfektion. Trotzdem sei das Coronavirus eine ernstzunehmende Infektion. Die Forschung arbeite daran, noch mehr über die neue Lungenkrankheit herauszufinden.

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Sicherheit der Bevölkerung stehe über wirtschaftlichen Interessen

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, komme es leider zu einigen Einschränkungen im Alltags. Einige Kindertagesstätten und Schulen bleiben zu, Großveranstaltungen müssen teilweise wegen des Corona-Risikos abgesagt werden.

„Dabei gilt immer der Grundsatz: Die Sicherheit der Bevölkerung geht im Zweifel vor. Auch vor wirtschaftlichen Interessen.“, so der Gesundheitsminister.

Spahn hat großes Vertrauen in Experten, Ärzte und Pfleger

Falls sich das Coronavirus trotzdem weiter ausbreite, könnte es weitere Maßnahmen geben. Planbare medizinische Eingriffe könnten dann verschoben werden. Betroffene mit leichten Symptomen müssten sich zuhause auskurieren, damit die Krankenhäuser sich auf schwere Fälle konzentrieren könnten.

Der Gesundheitsminister hat dabei „großes Vertrauen in unsere Experten, Ärzte und Pfleger.“ Er könne verstehen, dass man Angst um die eigene Gesundheit und auch um die von Mitmenschen habe. Aber es gebe auch eine gute Nachricht, denn seit zwei Wochen sei die erfasste Zahl der weltweit genesenen Patienten höher als die Zahl der Neuinfizierten.

Jens Spahn ist sicher, dass Deutschland mit kühlem Kopf große Herausforderungen bewältigen könne - auch die des Coronavirus.