Jena: Jeder zweite Vater nimmt hier Elternzeit

07. Februar 2015 - 19:29 Uhr

Jena Hauptstadt der Väter

In vielen deutschen Köpfen bleibt die Frau - ganz stereotypisch - nach der Geburt des Nachwuchses zu Hause, während der Mann das Geld erwirtschaftet. Dieses Szenario hat in Jena Seltenheitswert. Denn die Stadt in Thüringen ist sozusagen die Hauptstadt der Väter. Jeder zweite Vater nimmt hier Elternzeit.

Vater liest seinen Kindern etwas vor
Ein Bild, das in Jena keinen Seltenheitscharakter hat: Ein Vater liest seinen Kindern etwas vor.
© picture-alliance/ ZB, Patrick Pleul

Auch der HNO-Facharzt Fabian Volk hing seinen Beruf nach der Geburt seiner Tochter Ella erst mal an den Nagel. Er hat sich entschieden, Elternzeit zu nehmen, um ein paar Monate rund um die Uhr für seine Tochter da zu sein: "Es ist sehr spannend zu sehen, dass sich da wirklich ein Charakter entwickelt. Das erlebt man einfach besser, wenn man den ganzen Tag mit ihr verbringt."

Volk hat seinen Chef schon früh über die geplante Auszeit in Kenntnis gesetzt. Denn so kann der Arzt jetzt die Monate mit seiner Tochter genießen, ohne dass ihm beruflich Nachteile entstehen. Doch nicht nur der Chef muss mitspielen, auch das soziale Umfeld.

"Väter machen Lebenserfahrungen, die ihre Väter nie machten"

Und das ist in Jena perfekt. 50,3 Prozent der Väter beziehen Elterngeld. Die Bevölkerung in Jena ist relativ hoch qualifiziert. Und je mehr Eltern verdienen, desto attraktiver wird das einkommensabhängige Elterngeld. "Viele Väter, die die Elternzeit nehmen, machen Lebenserfahrung, die ihre Eltern nie gemacht haben, und das spricht sich rum", so Frank Schenker, Bürgermeister von Jena.

Unterstützt werden die Eltern dabei vom 'Bündnis für Familie'. Das arbeitet mit über 50 Unternehmen und der Universität zusammen, die das Projekt finanziell unterstützen. So werden Firmen und damit die Stadt attraktiv für qualifizierte Arbeitskräfte.