Jemen: "Dann bin ich lieber tot" – 11-Jährige klagt Familie wegen Zwangsheirat im Internet an

23. Dezember 2013 - 11:23 Uhr

"Ich bin fertig mit euch! Ihr habt meine Träume zerstört"

Nada al-Ahdal ist zehn Jahre alt – als sie von ihrer Familie im Jemen gegen ihren Willen verheiratet werden soll. Doch das Mädchen kann fliehen, lebt inzwischen bei seinem Onkel. Ihren Eltern ging es vor allem um das Geld, das eine Zwangsehe mit einem reichen Mann eingebracht hätte. "Ich bin fertig mit euch! Ihr habt meine Träume zerstört" – mit diesem Worten klagt Nada jetzt in einem Internet-Video ihre Familie an.

Flucht vor Zwangsheirat
Kinderbräute sind im Jemen keine Seltenheit (Symbolbild).
© dpa, A2800 epa Yahya Arhab

Nada ist eines von insgesamt acht Kindern, lebt bei ihrer Familie im Jemen. Bis zu dem Tag, an dem sie erfährt, dass sie einen viel älteren Mann heiraten soll. Nada weiß genau, was ihr bevorsteht: Ihre Eltern machen damit schon länger Geld. Nadas ältere Schwester wurde schon mehrfach verlobt, jedes Mal habe die Mutter einen Teil des Brautgeldes im Voraus eingestrichen. "Ich bin keine verkäufliche Ware", sagt Nada in dem Video. "Ich würde lieber sterben, als in diesem Alter zu heiraten."

Das Mädchen flieht zu seinem Onkel, bei dem es bis heute lebt. "Ich habe alles gemacht, um diese Heirat zu verhindern. Ich habe ihren zukünftigen Ehemann angerufen und ihm gesagt, dass sie nicht gut genug für ihn ist", so erzählt es Nadas Onkel Abdel Salam al-Ahdal der Zeitschrift 'Daily Mail'. Er schickt die heute 11-Jährige zur Schule, sie wächst mit Englisch und dem Internet auf. Nada hat Träume, will singen, ein Star werden. Ein ganz normales Kind sein.

"Ich habe ein Recht auf meine Kindheit"

Kinderbräute sind im Jemen keine Seltenheit. Mehr als ein Viertel aller Frauen heiraten noch vor ihrem 15. Lebensjahr. Das geht aus einem Bericht des Sozialministeriums von 2010 hervor. Seit 1999 ist eine Ehe unter 15 Jahren dort legal, sofern der Vater einverstanden ist. Menschenrechtsorganisationen klagen diese Praxis schon lange an.

Doch etwas dagegen zu unternehmen ist schwer, vor allem wegen der Armut in dem arabischen Land. Für eine arrangierte Heirat bekommen die Familien der Kinderbräute oft mehrere Hundert Dollar – viele können oder wollen darauf nicht verzichten. Daneben spielen auch Traditionen eine Rolle: Der Glaube, dass nur junge Mädchen zu gehorsamen Ehefrauen gemacht werden können, ist weit verbreitet.

"Ich habe ein Recht auf meine Kindheit", so fordert es Nada in ihrem Video – selbstbewusst, aber mit Tränen in den Augen. "Sie zerstören unsere Träume, sie zerstören alles in uns." Ob sich Nadas Geschichte genau so zugetragen hat, konnte bisher nicht von unabhängigen Quellen bestätigt werden. Angeblich muss Nada aber nicht mehr zu ihrer Familie zurückkehren. Das sollen die Behörden entschieden haben. Dann könnte sich die 11-Jährige ihren größten Traum erfüllen und einfach nur Kind sein.