Jedes sechste Kind in Deutschland ist auf Hartz IV angewiesen

Viele Kinder spüren besonders zu Weihnachten die finanziellen Nöte ihrer Familien.
© dpa, Rolf Vennenbernd

22. Dezember 2014 - 19:52 Uhr

Erschreckende Zahl bei guter Wirtschaftslage

Vielen Deutschen geht es finanziell immer besser. Doch bei den Kindern, der Zukunft unserer Gesellschaft, gibt es noch immer alarmierende Zahlen. Jedes sechste Kind ist von Hartz-IV-Leistungen abhängig. Hunderttausende Kinder sind betroffen, ihre Familien sind auf Hartz IV angewiesen.

Die offizielle Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass die Zahl der Kinder, die auf die sogenannte "Grundsicherung für Arbeitssuchende" angewiesen sind, bis zum Jahr 2012 teils deutlich zurückging. Seit dem erreichten Tiefstwert von 1,62 Millionen Menschen unter 15, die von Hartz IV betroffen sind, gibt es allerdings wieder einen leichten Anstieg. Dabei gibt es deutliche regionale Unterschiede: Zum Beispiel war in Berlin zuletzt jedes dritte Kind betroffen, in Bayern hingegen nur 7,2 Prozent der Kinder.

Die Arbeitsmarkt-Expertin der Linke-Fraktion Sabine Zimmermann macht auf die traurige Lage der Kinder in der konsumstarken Weihnachtszeit aufmerksam: "Besonders zu Weihnachten spüren viele Kinder, dass sie in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen müssen." Viele Verbraucher spüren die verbesserten Konjunkturerwartungen, Arbeitnehmer profitieren von Reallöhnen, die so schnell steigen, wie seit drei Jahren nicht mehr. Menschenmassen strömen durch die Einkaufszentren, auch zuletzt am verkaufsoffenen vierten Adventssonntag, noch auf der Suche nach Geschenken. "Für Hartz-IV-Beziehende ist es ungleich schwerer, ihren Kindern ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren", betont Zimmermann.

Die Linke-Politikerin sieht die Regierung in der Pflicht, sie fordert soziale Leistungen, um die Armut zu verhindern und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. "Die Regelsätze für Kinder müssen erhöht werden", betont sie. Perspektivisch brauche es eine Kindergrundsicherung als eigenständige Leistung.