Jeder vierte Geflüchtete hat einen Job – aber nicht jeder kann davon leben

Symbolbild: Jeder vierte Migrant findet einen Job
Symbolbild: Jeder vierte Migrant findet einen Job
© dpa, Sebastian Gollnow, scg bwe wst

31. Mai 2018 - 15:29 Uhr

Sie suchten Schutz, fanden Zuflucht und Arbeit, von der sie kaum leben können

Von den Migranten, die seit 2015 nach Deutschland gekommen sind, hat mittlerweile jeder Vierte einen Job. Wenn sich der Beschäftigungszuwachs so fortsetze, hätte nach fünf Jahren die Hälfte der Zuwanderer eine Arbeit. Die Zahlen klingen zwar recht positiv, aber ein Blick dahinter zeigt, dass noch viel zu tun ist.

"Nichts zerstört die Motivation mehr als Untätigkeit"

Ein Flüchting bei der Arbeit
Ein Flüchtling arbeitet an einer Werkbank. Foto: Andreas Arnold/Archiv
© deutsche presse agentur

Jeder vierte Geflüchtete, der seit 2015 nach Deutschland gekommen ist, hat hierzulande einen Job gefunden. Das schreibt die 'Rheinische Post' und beruft sich dabei auf das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). "Wenn sich der Beschäftigungszuwachs so fortsetzt, liegen wir mit der Erwartung ziemlich gut", sagt Herbert Brücker von dem IAB. Die besagten Erwartungen legten Forscher im vergangen Jahr fest:

Zehn Prozent der Zuwanderer sollten demnach im ersten Jahr der Einreise eine Beschäftigung finden, nach fünf Jahren sollte es die Hälfte von ihnen schaffen und weitere zehn Jahre später etwa 70 Prozent.

Brücker schätzt auch, dass bis zum Jahresende monatlich 8.500 bis 10.000 Geflüchtete eine Arbeit ausüben werden. Aber das heißt nicht, dass viele von der Arbeit, die sie in Deutschland leisten, leben können. Nur jeder Fünfte ist ein sozialversicherungspflichtiger Beschäftige. Außerdem stocken 15 Prozent aller Migranten, die Hartz IV beziehen, mit einem Job auf. Dadurch steigt zwar die Zahl der Erwerbstätigen, aber auch die der Hilfebedürftigen. Brücker gibt der langen Dauer des Asylverfahrens die Schuld für die vielen Asylbewerber, die in Hartz IV gerutscht sind. "Nichts zerstört die Motivation mehr als Untätigkeit", so Brücker. Er fordert Deutschkurse für Geflüchtete direkt nach den ersten Wochen der Ankunft – ohne lange Wartezeit. Das könnte den Weg in den Beruf erleichtern und die Motivation hochhalten.

Am häufigsten schaffen es Pakistani, einen Job zu finden

Mit einer Quote von 25 Prozent ist die Zahl der beschäftigten Geflüchteten im Vergleich mit allen in Deutschland lebenden und arbeitenden Ausländern eher gering. Denn von denen hat etwa jeder Zweite eine Anstellung. Für Deutsche liegt die Quote bei fast 68 Prozent.

Pakistaner schaffen es am häufigsten, sich auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, wie eine Auswertung der Bundesagentur für Arbeit zeigt. Geflüchtete aus Nigeria und dem Iran schnitten auch gut ab. Die meisten Asylanträge stellen Geflüchtete aus Syrien. Von ihnen hat bisher jeder Fünfte eine Arbeit. Jeder vierte Eritreer, Afghane, Iraker und Somalia hat es auf den hiesigen Arbeitsmarkt geschafft.

Aufgrund von unzureichenden Sprachkenntnisse müssen viele Zuwanderer auf einen Job zurückgreifen, in dem sie wenig Deutsch sprechen müssen. Fast ein Drittel komme bei einer Zeitarbeit-Firma unter, so die Agentur für Arbeit. Jeweils elf Prozent arbeiten im Gastgewerbe und in Dienstleistungsunternehmen – also als Reinigungskraft, in der Logistik oder Security.

Nur jeder Zweite hat laut IAB eine Fachkraft und wenige arbeiten in der Industrie "Das liegt an den Qualifikationen, die sie mitbringen: Viele Flüchtlinge haben schon vorher in Dienstleistungsfirmen gearbeitet", sagt Brücker vom IAB. "Viele haben dennoch das Bild im Kopf, dass alle Flüchtlinge vom Land kommen und Bauern sind. Aber das stimmt nicht."