Jedem 5. Arbeitnehmer droht Altersarmut

Jedem 5. Arbeitnehmer droht Altersarmut. Foto: Symbolbild
© dpa, Oliver Berg

03. November 2011 - 21:52 Uhr

Schockierende Zahlen

Jedem fünften Vollzeit-Arbeitnehmer (19,2 Prozent) droht Altersarmut. Wer 45 Jahre lang Beiträge in die Rentenversicherung einzahlt, müsste mehr als 1.667 Euro im Monat verdienen, um nicht auf Grundsicherung angewiesen zu sein - 3,8 Millionen der aktuell 20 Millionen Vollzeitbeschäftigten schafft das nicht. Das geht aus Antworten der Bundesregierung auf Anfragen der Linkspartei hervor. Das Ministerium bestätigte die Angaben auf Anfrage, wies jedoch darauf hin, dass bei dem Szenario zusätzliches Alterseinkommen wie die Riester-Rente nicht berücksichtigt werden.

Rechnet man Teilzeitkräfte und Auszubildende ein, wären sogar 8,7 Millionen der 27 Millionen betroffen, also jeder Dritte. "Die Entwicklung ist dramatisch", warnt Linksparteichef Klaus Ernst in der 'Westdeutschen Allgemeinen Zeitung'. "Wir wollen, dass in Deutschland wie in anderen europäischen Ländern eine Mindestrente eingeführt wird", so Ernst. Zuletzt hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel für eine "Sockelrente" plädiert.

400.000 Rentner auf Grundsicherung angewiesen

Rund 400.000 Rentner waren 2009 im Alter auf die Grundsicherung von durchschnittlich 684 Euro im Monat angewiesen. Der Arbeitssoziologe Gerhard Bosch von der Uni Duisburg/Essen sagt, Langfriststudien würden vor wachsender Altersarmut warnen. Wie sehr, sei offen, denn: "Der Fachkräftemangel wird für steigende Löhne sorgen. Die geringfügig Beschäftigten von heute müssen nicht immer so wenig verdienen." Die Politik könne die Altersarmut beeinflussen: "Sie muss die Aufstiegschancen für Geringverdiener verbessern sowie Minijobs, Leiharbeit und Outsourcing begrenzen."

Dagegen hält der Finanzwissenschaftler Reinhold Schnabel die Schlussfolgerungen der Linken für eine 'Milchmädchenrechnung'. Die meisten Rentner hätten weitere Einkünfte. "Den Rentner, der 45 Jahre gearbeitet, aber nie gespart hat und auch keine Betriebsrente erhält, den gibt es nicht", sagt er. Zudem werde in Paarhaushalten die Armutsgrenze schnell überschritten. Gegen einen Anstieg der Altersarmut spreche auch die wachsende Erwerbstätigkeit der Frauen und die Anrechnung der Erziehungszeiten.