Jede zweite Abschiebung scheitert

24. Mai 2018 - 7:16 Uhr

Neben der Asyl-Affäre dürfte auch diese Zahl Bundesinnenminister Horst Seehofer nicht gefallen: Jede zweite Abschiebung in Deutschland in diesem Jahr musste abgebrochen werden. Das berichtet die Funke-Mediengruppe unter Berufung auf die Bundespolizei.

5.500 Menschen wurden im ersten Quartal 2018 abgeschoben

Demnach wurden im ersten Quartal des Jahres 5.548 abgelehnte Asylbewerber abgeschoben. Im selben Zeitraum hätten die Behörden 4.752 Rückführungen im Vorfeld abbrechen müssen, zum Beispiel weil die betreffenden Personen nicht angetroffen worden seien. In 75 Fällen hätten Piloten oder ihre Fluggesellschaften die Beförderung verweigert. 

Fluggesellschaften weigern sich - Kritik von der Bundespolizei

ARCHIV - 15.05.2018, Manching, Bayern: Im Transitzentrum für Asylsuchende steht eine Sicherheitskraft Bewohnern gegenüber. Das Transitzentrum könnte eines von mehreren sogenannten Ankerzentren werden. Diese Zentren sollen die schnelle Abschiebung von
Transitzentrum in Bayern (Symbolbild).
© dpa, Stefan Puchner, puc tba wst

Im Jahr 2017 wurden dem Bericht zufolge 314 Abschiebungen aus diesem Grund abgebrochen, 2016 waren es 139 Fälle. Ein Sprecher der Pilotengewerkschaft 'Vereinigung Cockpit' rechtfertigte das Vorgehen der Piloten. Wenn jemand an Bord komme, "der gewalttätig wird und sich aggressiv verhält, muss der Kapitän die Beförderung überdenken", sagte er den Funke-Zeitungen.

Bei der Bundespolizei stößt diese Haltung auf wenig Verständnis. Abschiebungen würden abgebrochen, obwohl bei einer von der Polizei begleiteten Rückführung sichergestellt werde, dass von der Person "keine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung an Bord des Luftfahrzeuges ausgeht", sagte ein Sprecher. Bei Sammelrückführungen würden nun alternativ zu den Linienflügen Maschinen gechartert.