Jede dritte Frau wird Opfer von Gewalt: So will Bundesfamilienministerin Giffey Betroffenen helfen

18. September 2018 - 20:49 Uhr

Nur wenige Frauen suchen sich Hilfe

Es sind erschreckende Zahlen, die die Bundesfamilienministerin in Berlin vorgestellt hat: "In Deutschland wird jeden dritten Tag eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet", sagte Franziska Giffey (SPD). Die Zahl der Opfer steigt seit Jahren, aber nur wenige Frauen nehmen Hilfsangebote in Anspruch. Das würde die Ministerin gerne ändern.

Viele Fälle werden gar nicht erst angezeigt

Giffey hat darum einen Runden Tisch von Bund, Ländern und Kommunen einberufen. Ihr Ziel ist es, mehr ambulante Hilfs- und Betreuungseinrichtungen einzurichten und mehr Geld für Frauenhäuser bereitzustellen. Man müsse betroffenen Frauen helfen, "der Gewalt zu entkommen", erklärte die Familienministerin. Wie auch Außenstehende Betroffenen helfen können, erfahren Sie im Video.

Im Jahr 2016 wurden laut Giffey fast 110.000 Frauen in Deutschland Opfer von versuchten oder vollendeten Gewalttaten durch ihre Partner oder Ex-Partner - darunter Mord, Totschlag, Körperverletzung, Bedrohung, sexuelle Nötigung oder Vergewaltigung. Und das sind nur die Taten, die auch bei der Polizei angezeigt wurden.

"Ich habe früher auch immer gedacht, sowas würde mir nicht passieren"

Gundula Rolke ist eine der Frauen, die sich irgendwann getraut hat, zur Polizei zu gehen. Immer wieder wurde sie von ihrem Ex-Mann verprügelt. "Ich habe früher auch immer gedacht, sowas würde mir nicht passieren", erzählt sie im RTL-Interview. "Aber dann ist man verliebt". Immer wieder glaubte sie ihrem Mann, der nach jedem Ausbruch versprach, sich zu bessern. Erst als er drohte, sie umzubringen, floh Gundula Rolke.

Eine EU-Untersuchung hat gezeigt: Jede dritte Frau in Deutschland wird in ihrem Leben mindestens einmal Opfer von Gewalt. Aber nur jedes fünfte Opfer nimmt daraufhin Hilfe in Anspruch. Derzeit gibt es bundesweit fast 350 Frauenhäuser und mehr als 100 Schutzwohnungen für Frauen in Not. Dazu kommen über 600 Beratungs- und Interventionsstellen. Doch nicht in allen Regionen ist die Versorgung gesichert, erklärte Anja Stahmann, Vorsitzende der Konferenz der Gleichstellungs- und Frauenminister.

Bei welchen Anlaufstellen Frauen in Not Hilfe und Unterstützung bekommen, erfahren Sie hier.