Javi Martinez: Bayerns leiser Abräumer

© Bongarts/Getty Images, Bongarts

13. Februar 2013 - 14:34 Uhr

Als Königstransfer gefeiert, gefühlt in der Versenkung verschwunden: Während der Trouble um Javi Martinez nach seinem Transfer von Bilbao nach München kein Ende nehmen wollte, ist es ruhig um den 40-Millionen-Mann geworden. Wenige Interviews, keine Skandale, unauffällig auf dem Platz – doch damit nicht unwichtig; denn wegen seines Spielverständnisses ist Martinez aus der Stammformation nicht mehr wegzudenken.

Nachdem der hochgelobte Neuzugang der Bayern verhalten in das Abenteuer Bundesliga gestartet war, hat er sich mittlerweile zu einer festen Säule im defensiven Mittelfeld gemausert: In den letzten sieben Spielen in der Bundesliga spielte Martinez sechs Mal über die volle Distanz. Dabei beweist der Spanier immer wieder, mit welchem Spielverständnis er gesegnet ist. Bei Ballgewinn ist es Martinez, der die Angriffe der Bayern einleitet, ohne aber den Kopf zu verlieren. Im Durchschnitt kommen mehr als 90 Prozent seiner Pässe bei den Mitspielern an.

Während sich Bastian Schweinsteiger immer wieder mit nach vorne einschaltet, übernimmt sein Nebenmann die Drecksarbeit. Er grätscht, läuft die Bälle ab, spielt dabei aber ungemein fair: In den 17 Ligaspielen, die der Baske absolviert hat, sah er nur zwei Gelbe Karten. Und ja, richtig gelesen, 17 Spiele, Martinez hat sich zum Dauerbrenner entwickelt. Dabei wirkt es, als bilden er und Schweinsteiger die Doppelsechs schon seit Jahren. Die beiden Nationalspieler harmonieren prächtig, sichern sich gegenseitig ab, wenn sich einer ins Offensivspiel einschaltet.

Heynckes: Martinez soll offensiver spielen

Weil Martinez das eher selten macht, wird er nicht richtig wahrgenommen – doch das könnte sich bald ändern. Im Gegensatz zu seinem Vorbild Sergio Busquets, mit dem der 24-Jährige immer wieder verglichen wird, hat ihm Trainer Jupp Heynckes mit auf dem Weg gegeben, offensiver zu spielen. "Ich soll auch mal den Abschluss suchen, während Busquets in erster Linie seiner Mannschaft den Rücken frei hält", sagte Martinez der 'Sport Bild'.

Dann wird es noch mehr auf die Absprachen zwischen ihm und Schweinsteiger ankommen, doch das klappt trotz Sprachbarriere "immer besser", berichtet der Nationalspieler: "Ich verstehe schon 60 Prozent von dem, was so in der Mannschaft gesprochen wird. Es ist mein Ziel, dass ich mich bis zum Sommer mit meinen Kollegen unterhalten kann."

Bei den Deutschkenntnissen bei 60 Prozent, auf dem Platz ebenfalls noch Luft nach oben. Das sagen nicht etwa die verstummten Kritiker, sondern Martinez selber. Im Trainingslager der Bayern in Doha verkündete er, noch nicht bei seiner vollen Leistungsstärke zu sein. Die Spielpause, die Martinez so aus der Primera Division vorher gar nicht kannte, habe "wirklich gutgetan. Die letzten vier Jahre hatte ich nie zwei Wochen am Stück Urlaub. Ich glaube, dass sich das in der Rückrunde positiv bemerkbar macht" – und spätestens dann sollten die Journalisten einen gewissen Javi Martinez wieder auf dem Zettel haben.