Japan: Kampf um Fukushima dauert noch Monate

Bei einer Pressekonferenz gibt der Atombetreiber Tepco einen Zeitplan zur Krisenbewältigung bekannt.
Bei einer Pressekonferenz gibt der Atombetreiber Tepco einen Zeitplan zur Krisenbewältigung bekannt.
© REUTERS, ISSEI KATO

09. Februar 2016 - 12:30 Uhr

Japan: Tepco nennt Zeitplan für Krise

Japan stellt sich auf einen langen Kampf gegen die Atomkatastrophe von Fukushima ein. Der AKW-Betreiber Tepco will die Reaktoren erst in etwa sechs bis neun Monaten stabilisiert haben. Das sehe die "momentane" Planung vor, sagte Tepco-Topmanager Tsunehisa Katsumata in Tokio. Drei Monate wird es demnach allein dauern, die Kühlung der Reaktoren und Abklingbecken sicherzustellen.

Regierungschef Naoto Kan hatte den Atombetreiber Tepco dazu verpflichtet, der Öffentlichkeit einen klaren Fahrplan für die Bewältigung der Katastrophe vorzulegen. Die beschädigten Reaktorgebäude sollen demnach in sechs bis neun Monaten abgedeckt werden. Die Regierung wolle dann auch mitteilen, ob ein Teil der Bevölkerung wieder in seine Wohnorte zurückkehren könne, sagte Wirtschaftsminister Banri Kaeida. Noch immer hausen Zehntausende Menschen in Notunterkünften.

Atomexperte Michael Sailer vom Darmstädter Öko-Instituts hegt noch Zweifel an der geplanten Stabilisierung der Reaktoren binnen sechs bis neun Monaten. "Wenn nichts Weiteres passiert, kann man in der Zeit wohl irgendwelche Kühlkreisläufe wieder funktionsfähig hinstellen", sagte Sailer. "Aber man kann nicht eine Garantie geben in dem Sinne, wir haben in sechs oder neun Monaten einen stabilen Zustand." Dafür gebe es zu viele Risiken.

Mit Hilfe ferngesteuerter Roboter überprüfen die Arbeiter derweil Strahlendosis und Temperatur in den Reaktorgebäuden 1 bis 3, um sicherzugehen, dass die Männer dort arbeiten können. Die Verstrahlung verzögere die Arbeiten, erklärte der Betreiber Tepco.

Trotz der widrigen Umstände versuchen die Arbeiter mit Hochdruck, die Massen an verseuchtem Wasser loszuwerden. Sie hoffen, schon bald Wasser aus einem Schacht des Reaktors Nummer 2 in eine Müllbeseitigungsanlage abpumpen zu können, berichtete die japanische Nachrichtenagentur 'Jiji Press'. Sorge bereite hochgradig verseuchtes Wasser, das sich in einem Tunnelschacht angesammelt hat. Es sei innerhalb eines Tages um drei Zentimeter gestiegen.

Toyota nimmt Produktion wieder auf

Der weltgrößte Autobauer Toyota hat fünf Wochen nach Beginn der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe wieder an allen inländischen Produktionsstandorten die Arbeit aufgenommen. In Folge der Katastrophe im Nordosten und Osten des Landes gibt es Engpässe bei der Belieferung durch Toyotas Teilehersteller, wovon auch die Produktion im Ausland beeinträchtig ist. Bis auf weiteres wird daher erstmal nur mit etwa halber Auslastung produziert, wie Toyota bekanntgab.

Auch bei Elektronikprodukten, wie Kameras, Handys, Laptops oder LCD-Fernseher, werden Ende April Einschränkungen im Sortiment erwartet. Dies betrifft Geräte, die auf Komponente in Japan angewiesen sind oder in dem Land angefertigt werden. Das ist das Ergebnis einer 'FTD'-Umfrage bei Herstellern und Händlern. Die Elektronikkonzerne Canon und Sony müssen mit Lieferschwierigkeiten rechnen.

In der Katastrophenregion Miyagi können örtliche Firmen von diesem Montag an bis Juni ihre Industriegüter, vor allem elektronische Komponenten sowie Maschinen, auf Strahlen testen lassen. Danach erhalten sie Prüfzertifikate, die sie ihren Kunden schicken können. Bis Ende des Monats sollen derweil in 13 verwüsteten Gemeinden rund 1.300 Behelfshäuser fertiggestellt sein. Bis Mitte Mai soll mit dem Bau weiterer 10.000 solcher provisorischen Behausungen für die Überlebenden der Katastrophe begonnen werden, berichtete Kyodo.

US-Außenministerin Hillary Clinton versprach Japan nach einem Treffen mit ihrem Amtskollegen Takeaki Matsumoto in Tokio die "standhafte Unterstützung" der USA. Japan mache eine "multidimensionale Krise beispiellosen Ausmaßes" durch. Washington unterstützt Japans Katastropheneinsatz mit mehr als 200.000 Soldaten und anderen Rettungskräften, 160 Maschinen der Luftwaffe und 20 Marineschiffe. Der Einsatz trägt den Namen 'Operation Tomodachi' (Operation Freund).