24. Mai 2019 - 10:05 Uhr

Wer steckt hinter dem Ibiza-Video um Strache und Gudenus?

Vier Rücktritte innerhalb der Regierung, eine Entlassung, Neuwahlen im September: Das Skandalvideo rund um Österreichs Ex-Vizekanzler Hans-Christian Strache und seinen FPÖ-Parteifreund Johann Gudenus hat das Nachbarland in eine tiefe politische Krise gestürzt. Als möglicher Strippenzieher wurde Satiriker Jan Böhmermann gehandelt. Auf der Seite "dotheyknowitseurope.eu" schaltete er einen Countdown, dessen Ende mit Spannung erwartet wurde. Doch wer weitere Infos zum Ursprung des Videos, das "Spiegel" und "Süddeutsche Zeitung" veröffentlichten, erhoffte, wurde enttäuscht: Böhmermann nutzte die Aufmerksamkeit für eine ganz andere Sache.

13-minütiges Pro-Europa-Lied

Um Punkt 20:15 Uhr veröffentlichte Böhmermann ein Video. Kein Ibiza. Kein Strache. Stattdessen singt der Moderator 13 Minuten lang mit Freunden aus verschiedenen Ländern ein Lied für Europa. Ein lustiger Coup, mit dem er für die EU wirbt. "Alone we are alone" (deutsch: Allein sind wir allein") heißt es nach jeder Strophe. Nur Großbritannien tanzt aus der Reihe. Nach der britischen Strophe heißt es "Alone we are alone, we want to be alone" (Allein sind wir allein, wir wollen allein sein") - ein Seitenhieb auf den Brexit. Auch die Schweizer, die nicht der EU angehören, singen "alone and mean" (Allein und gemein).

Böhmermann gilt seit Langem als EU-Unterstützer und wollte mit der Aktion wohl noch mal die Aufmerksamkeit auf die Europawahl am Sonntag lenken. Das ZDF hatte auch schon vorher auf Anfrage mitgeteilt, dass das angekündigte "Special" nichts mit Herrn Strache zu tun habe. Es werde im Rahmen der Show sowie Online stattfinden. Der Sender schloss gegenüber der Bild-Zeitung bereits vor einigen Tagen eine Beteiligung Böhmermanns oder seiner Produktionsfirma an der Herstellung des Videos aus.

Böhmermann wusste von den Aufnahmen bereits Wochen vor der Veröffentlichung

Böhmermann hatte am 13. April 2019 - und damit fast fünf Wochen vor Veröffentlichung - bei der Preisverleihung des österreichischen Fernsehpreises "Romy" diesen Hinweis auf das Strache-Video gegeben: "Ich bin nicht da, ich hänge gerade ziemlich zugekokst und Red Bull betankt mit ein paar FPÖ-Geschäftsfreunden in ´ner russischen Oligarchenvilla auf Ibiza rum und verhandle darüber, ob und wie ich die Kronenzeitung übernehmen kann." Erst im Nachhinein wurde die Tragweite dieser Aussage klar.

Ebenfalls verdächtig war: Am Donnerstag (16.5.19) vor der Videoveröffentlichung gab Jan Böhmermann in seiner Sendung "Neo Magazin Royale" am Ende den Hinweis "Kann sein, dass morgen Österreich brennt". Und damit behielt er Recht. Böhmermanns Manager Peter Burtz bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass er das Videomaterial bereits vor der Veröffentlichung gekannt habe. Woher, wusste der Manager allerdings nicht.

Vengaboys "We're going to Ibiza" auf Platz 1 der österreichischen Charts

Jan Böhmermanns direkte Reaktion auf die Veröffentlichung des Videos belief sich auf einen Link zu dem 90er-Vengaboys-Song "We're going to Ibiza", den er auf Twitter teilte. Der Song ist mittlerweile auf Platz 1 der österreichischen Single-Charts. Die Band bedankte sich dafür sogar bei Böhmermann – ebenfalls via Twitter.