Sorgerechts-Streit landet vor Gericht

USA: Vater will verhindern, dass sein Sohn ein Mädchen wird

Texas: Vater will verhindern, dass sein Sohn ein Mädchen wird - und unterliegt vor Gericht
Texas: Vater will verhindern, dass sein Sohn ein Mädchen wird - und unterliegt vor Gericht
© Facebook, Anne Georgulas

25. Oktober 2019 - 18:13 Uhr

Sorgerechts-Streit in Texas: Ist der 7-jährige James transsexuell?

Ein aufsehenerregender Sorgerechts-Streit beschäftigt derzeit die Justiz im US-Bundesstaat Texas. Im Mittelpunkt: Der sieben Jahre alte James – beziehungsweise die sieben Jahre alte Luna. Die Mutter des Kindes behauptet: Luna sei transsexuell, fühle sich als Mädchen. Deshalb solle sie auch als Mädchen anerkannt und behandelt werden. Der Vater wehrt sich vehement. Er wirft seiner Ex-Frau vor, James "manipuliert" und ihn in seiner Geschlechts-Identität als Junge verwirrt zu haben. Das berichten US-Medien. Nach wochenlangem Streit hat ein texanisches Gericht ein Machtwort gesprochen.

Mutter des Kindes sagt: James möchte Luna heißen

Der Sorgerechts-Streit zieht sich seit Monaten, ist mittlerweile zum regelrechten Grabenkrieg ausgeartet. Geht es nach der Mutter, Kinderärztin Anne Georgulas, erlebt ihr Kind ein Phänomen namens Gender-Dysphorie. Das bedeutet: James könne sich, obwohl er als Junge geboren wurde, nicht mit seinem zugewiesenen Geschlecht identifizieren – stattdessen fühle er sich als Mädchen.

Erste Anzeichen habe es schon im frühen Kindesalter gegeben: James habe lieber mit Mädchenspielzeug spielen wollen und gesagt, er wolle aussehen wie eine Disney-Prinzessin. Mehrere Therapeuten und Spezialisten hätten das Kind anschließend mit Gender-Dysphorie diagnostiziert, sagt Georgulas.

Deshalb setzt sie sich jetzt dafür ein, dass James nach eigenem Willen als Mädchen leben darf. Therapeuten nennen das "gender-affirming care", also "geschlechts-bejahende Pflege". Das Kind wird dabei von den Eltern in seiner Lebensweise unterstützt, ohne ihm den Eindruck zu vermitteln, diese sei "falsch" oder "unnormal". Daran kann später ein medizinischer Eingriff anschließen, etwa eine Hormontherapie – muss aber nicht. Tatsächlich tritt James derzeit in der Schule als Mädchen auf und wird von seinen Lehrern Luna genannt.

Vater behauptet: James werde von seiner Mutter manipuliert

Texas: Vater will verhindern, dass sein Sohn ein Mädchen wird
Texas: Vater will verhindern, dass sein Sohn ein Mädchen wird
© Facebook, Jeff Younger

Geht es hingegen nach Jeff Younger, dem Vater, ist sein Sohn James ein Opfer. Sein Sohn leide nicht an Gender-Dysphorie, beteuert er. James sei als Junge geboren und sei auch weiterhin eindeutig männlich. Wenn James zu Besuch komme, verhalte er sich in der Gegenwart seines Vaters wie ein normaler Junge. Er sei lediglich verwirrt über seine Geschlechtsidentität – und schuld sei seine Mutter.

Sie habe ihn aktiv dazu gedrängt, als Mädchen aufzutreten, und ihn genötigt, Kleider zu tragen. Sie habe James böswillig manipuliert: "Monster essen nur Jungs auf", soll sie dem Kind gesagt haben. So stellt es zumindest Younger dar. Er nennt das Verhalten seiner Ex-Frau "sexuellen Missbrauch" an seinem Sohn. Rückendeckung erhält er von konservativen US-Medien, die gegen die versuchte "Kastration" des Kindes trommeln.

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Gerichtsstreit um siebenjähriges Kind in Texas: Eltern müssen sich Sorgerecht teilen

Younger zog schließlich vor Gericht. Er beantragte das alleinige Sorgerecht für "seinen Sohn James", um ihn vor einer angeblich drohenden Hormontherapie zu schützen. Allerdings ist das Kind mit seinen sieben Jahren noch so jung, dass weder eine Hormontherapie noch eine Operation überhaupt infrage stünde.

Eine Geschworenen-Jury schmetterte den Antrag des Vaters daher vor wenigen Tagen mit großer Mehrheit ab: Vielmehr solle die Mutter das alleinige Sorgerecht erhalten. Ein überraschendes Urteil für den sonst eher konservativen US-Bundesstaat Texas.

Jetzt aber, nicht einmal eine Woche später, hat eine Richterin die Jury-Entscheidung ihrerseits wieder einkassiert. Stattdessen müssen Mutter und Vater sich jetzt beide das Sorgerecht miteinander teilen – insbesondere im Hinblick auf medizinische Eingriffe in die Entwicklung des Kindes. Außerdem müssen beide Eltern gemeinsam zur psychosozialen Beratung gehen, um ihren Streit vielleicht doch noch beilegen zu können.

Bloß: Ob Anne Georgulas und Jeff Younger ihren monatelangen Streit ohne Weiteres vergessen werden, ist zumindest fraglich. Der Fall dürfte die US-Justiz wohl noch weiter beschäftigen - insbesondere, nachdem sich zuletzt auch der Gouverneur von Texas einschaltete: Man schaue sich den Fall genau an, schrieb er auf Twitter.