Jahrelang vermisste Tanja Graeff stürzte vom Felsen - Mord oder Unfall?

12. Mai 2015 - 20:28 Uhr

Auch persönliche Gegenstände und Schuhe gefunden

Das Schicksal der seit fast acht Jahren vermissten Studentin Tanja Gräff aus Korlingen bei Trier ist vermutlich geklärt. Bei Rodungsarbeiten an einem schwer zugänglichen Steilhang in Trier-Pallien wurden Knochen gefunden, bei denen es sich laut Polizei und Staatsanwaltschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit um die sterblichen Überreste der seit Juni 2007 vermissten Studentin handelt. Bei einer Pressekonferenz gab die Polizei bekannt, dass die junge Frau vermutlich von einem Felsen gestürzt ist.

Trier: Leichenfund im Fall Tanja Gräff: Mutter "geschockt, aber erleichtert"
Die Leiche wurde bei Rodugsarbeiten an einem schwer zugänglichen Steilhang in Trier entdeckt.
© dpa, Harald Tittel

Ob es sich um einen Unfall oder ein Fremdverschulden handelt, muss nun die Rechtsmedizin klären. Es werde aber auf jeden Fall weiter wegen eines Tötungsdelikts ermittelt, sagte der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen. Eine neu gegründete 20-köpfige Sonderkommission soll Licht ins Dunkel bringen. "Wir werden also mit großem Aufwand da wieder einsteigen müssen", erklärt der Oberstaatsanwalt. Heißt: Alle knapp 3.000 Hinweise und Spuren werden im Licht des Leichenfundes neu bewertet. Auch ein Zeuge, der in jener Nacht "einen weibliche Hilfeschrei" an der Mosel vernommen haben will, soll noch mal gehört werden.

Nach Angaben der Ermittler entdeckten Arbeiter menschliche Knochen sowie Schuhe, als sie dabei waren, den mit Bäumen und Hecken überwucherten Steilhang freizuschneiden. Inzwischen sei nahezu das ganze Skelett von Gräff gefunden worden, sagte der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt, Peter Fritzen. Auch Schmuck, Kleidung, Handy und Studentenausweis lagen dabei.

"Aufgrund der bisherigen Untersuchungen gehen Staatsanwaltschaft und Polizei davon aus, dass es sich hierbei um die sterblichen Überreste und Gegenstände der seit dem 7. Juni 2007 vermissten Tanja Gräff handelt", teilten die Ermittler mit. Die Polizei begann das Gebiet rund um den Fundort, der nicht weit von der Hochschule entfernt liegt, großflächig abzusuchen. Das Gelände sei damals zu Fuß einfach nicht zugänglich gewesen, sagt Polizeidirektor Franz-Dieter Ankner. Erst bei den derzeitigen Rodungsarbeiten sei ein Durchblick möglich geworden.

Die 21-jährige Tanja Gräff war am 7. Juni 2007 bei einem Fest an der Fachhochschule Trier verschwunden. Umfangreiche Suchaktionen blieben ohne Erfolg. Die Polizei ging davon aus, dass die junge Frau Opfer eines Gewaltverbrechens geworden war.

Druck auf die Behörden wächst

Die Trierer Polizei steht nun unter Erklärungsdruck, denn der Vermisstenfall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Eine junge Frau verschwindet nach einem Sommerfest an der Hochschule - spurlos. Alle Suchaktionen, die bis zu Baggerseen in Luxemburg reichten, verliefen im Nichts. Und dann liegt die Tote gerade mal einen Kilometer von dem Ort entfernt, an dem sie verschwand. "Man kann ja nicht alles roden, was einem im Weg ist", sagte der Leiter der Trierer Mordkommission, Christian Soulier,

Die Polizei weist mögliche Versäumnisse bei der Suche nach Tanja Gräff allerdings zurück. Einsatzkräfte hätten die Gegend um den Ort, an dem die sterblichen Überreste der 21-Jährigen gefunden wurden, mehrfach abgesucht, sagte Polizeidirektor Franz-Dieter Ankner. Am Boden des Fundortes selbst sei man aber nicht gewesen, da das von Bäumen und Sträuchern überwucherte Gelände zu Fuß nicht zugänglich war.

Einsatzkräfte hätten sich aber an der rund 50 Meter hohen Felswand darüber bis zu einem Vorsprung abgeseilt. Zudem sei das felsige Gelände von Hubschrauber und Drohnen abgeflogen worden. "Wir hatten keinen Hinweis, dass sie da liegt", sagte der Leiter der Trierer Mordkommission, Christian Soulier.

Nach acht Jahren bekommt Tanjas Mutter endlich Gewissheit. "Es war eine Art Erleichterung, auch wenn die Nachricht als solche erstmal natürlich auch einen gewissen Schock bewirkt", so Detlef Böhm, ihr Anwalt. "Es war immer ihr erstes Anliegen, ihre Tochter in Würde beerdigen zu können"

Seit dem Verschwinden der damals 21-jährigen Studentin sei kein Tag vergangen, an dem die Mutter nicht an das Schicksal ihrer Tochter gedacht habe. "Sie hat gespürt, dass sie tot ist." Der Vater von Tanja erlebt die mögliche Gewissheit nicht mehr: Er starb vor knapp zwei Jahren.