Jagdszenen in Spanien: Migranten fliehen vor den Augen verdutzter Urlauber an Strand

28. Juli 2018 - 18:52 Uhr

Urlauber an spanischem Strand von Jagdszenen überrascht

Am Strand Del Canuelo in der Nähe von Tarifa (Spanien) spielten sich unglaubliche Szenen ab. Verfolgt von einem Polizeiboot landete ein Schlauchboot mit 30 nordafrikanischen Flüchtlingen an der Küste. Auf Fotos sieht man die Migranten, vornehmlich junge Männer, in die umliegenden Dünen und Wälder flüchten. Ihr Fluchtweg führte dabei mitten durch die verdutzten Badegäste. 

Sturm auf Nordafrika-Exklave Ceuta

Migranten am Strand von Canuelo
Urlauber am Strand von Canuelo staunten nicht schlecht, als die Migranten mit ihrem Schlauchboot anlegten und flohen.
© REUTERS, JON NAZCA, JN/AWI

Die Flüchtlingskrise war bis vor kurzem in der spanischen Öffentlichkeit noch kein großes Diskussionsthema. Dies dürfte sich nach den Entwicklungen der letzten Wochen ändern. Bewaffnet mit Stöcken, Blechscheren und selbstgebauten Flammenwerfern waren am Donnerstag 600 Migranten ohne Papiere gewaltsam in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta eingedrungen. Die Grenzbeamten seien kurz vor Sonnenaufgang überrumpelt worden, erklärte ein Sprecher der Vertretung der spanischen Regierung.

Insgesamt sollen über 50.000 Menschen von Marokko aus nach Europa flüchten wollen. Mittlerweile macht sich die angespannte Lage auch in spanischen Urlaubsorten bemerkbar, wie die aktuellen Bilder zeigen.

Erstaufnahmezentren immer wieder in der Kritik

Die spanische Polizei versuchte, die Flüchtlinge am Strand von Canuelo zu stoppen.
Die Flüchtlinge ließen sich auch von der spanischen Polizei nicht stoppen.
© REUTERS, JOSEBA ETXABURU, JN/SAU

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) hatte Mitte Juli mitgeteilt, dass nach ihrer Einschätzung Spanien das neue Hauptziel illegaler Migranten sei. Seit Jahresanfang seien mehr als 22.700 Flüchtlinge über die westliche Mittelmeer-Route in Europa angekommen. Spanien verfügt in Nordafrika über zwei Exklaven: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das weiter östlich gelegene Melilla. In der Nähe der beiden Gebiete warten Zehntausende notleidende Afrikaner auf eine Gelegenheit, in die EU zu gelangen. In Erstaufnahmezentren müssen die Flüchtlinge oft monatelang warten, bis sie das spanische Festland betreten dürfen.

Die Zentren werden von Menschenrechtlern scharf kritisiert. Es gibt Berichte über Misshandlungen und Diskriminierung. Auch die Grenzzäune werden kritisch gesehen, messerscharfe Klingen sollen dort das Überklettern verhindern. Immer wieder werden dabei Migranten zum Teil schwer verletzt. Ungeachtet des spektakulären Flüchtlingsansturms von Donnerstag will die spanische Regierung die Klingen demnächst entfernen. Das hohe Sicherheitsniveau könne auch "mit weniger grausamen Mitteln beibehalten werden", hieß es aus Madrid.