IZA-Studie: Arbeitszeit ist nicht mehr messbar - Viele erledigen auch in der Freizeit Dinge für den Job

In der Freizeit noch Dinge für den Job erledigen? Das ist längst keine Seltenheit mehr.
© dpa, Jens Kalaene, jka kre wst

07. März 2018 - 7:53 Uhr

Viele arbeiten auch in ihrer Freizeit

Für viele Arbeitnehmer in Deutschland gibt es keine klare Grenze zwischen Arbeit und Freizeit mehr. Vier von zehn Arbeitnehmern verbringen in ihrer Freizeit mehr als zwei Stunden pro Woche mit Dingen, die eigentlich zu ihrem Job gehören. Das hat eine repräsentative Studie des Arbeits-Forschungsinstituts IZA ergeben. Unter Mitgliedern des Karrierenetzwerks 'Xing', das gemeinsam mit dem IZA die Studie durchgeführt hat, sind es sogar mehr als die Hälfte (58,1 Prozent).

Wissenschaftler fordert Diskussion über Definition von Arbeit

Wissensarbeit und soziale Interaktion finde zunehmend außerhalb eines festen Arbeitsplatzes statt, sagte Hilmar Schneider, Leiter des IZA. "Die Messbarkeit von Arbeitszeit gerät damit zur Illusion."

Der Studie zufolge gaben insgesamt 62,8 Prozent der Befragten an, sich auch in ihrer Freizeit mit ihrer Arbeit zu beschäftigen. Unter den 'Xing'-Mitgliedern waren es sogar 87,6 Prozent. Dazu zählt etwa das Bearbeiten von dienstlichen E-Mails oder die Beschäftigung mit Fachliteratur und Informationsmaterial. Das Arbeitszeitgesetz gehe davon aus, dass sich Arbeitszeit eindeutig messen lasse, sie lasse sich aber immer schwerer erfassen. Damit verliert ein Instrument an Wirkung, das Arbeitnehmer eigentlich vor Überlastung schützen sollte.

Schneider hält eine grundsätzliche Debatte über die Definition von Arbeit für notwendig. Selbstständige Arbeit und abhängige Beschäftigung würden sich durch die Digitalisierung immer ähnlicher werden. Dadurch verliere der Arbeitnehmerschutz an Wirksamkeit. Mit Forderungen wie einem Verbot von beruflichen Mails außerhalb der Bürozeiten sei der Problematik jedoch nicht beizukommen.