IWF: Griechenlands Zukunft sieht düster aus

6. Juli 2015 - 20:54 Uhr

Der Ton wird schärfer

Die Entscheidung rückt näher. Noch zwei Tage, dann sollen Griechenlands Bürger in einem Referendum über die Reformvorschläge der Geldgeber abstimmen. Während ein Ja oder ein Nein in der Bevölkerung immer heißer diskutiert werden und die Unsicherheit in der griechischen Bevölkerung immer größer wird, verschärft sich auch auf der politischen Bühne noch einmal der Ton zwischen den altbekannten Hauptakteuren.

IWF: Griechenlands Zukunft sieht düster aus
Athen: Weiter Schlangen an den Geldautomaten
© Dimitris Legakis / Splash News

Griechenlands Finanzminister Gianis Varoufakis positionierte sich noch einmal eindeutig und sagte, er würde sich eher einen Arm abhacken, als den Kompromissvorschlag der Gläubiger zu akzeptieren. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem drohte Griechenland bei einem 'Nein' mit Euro-Entzug. Es ist schwierig vorauszusagen, wie sich die Menschen entscheiden werden, neueste Umfragen deuten auf einen Stimmungswandel in der Bevölkerung hin.

Vor den Bankenschließungen am Montag sprachen sich nur 30 Prozent für die Sparauflagen der Geldgeber aus, 57 Prozent lehnten sie ab. Mittlerweile würden 47 Prozent die Bedingungen akzeptieren, nur noch 37 Prozent würden mit nein stimmen. Die Begrenzung von Bankauszahlungen, lange Schlangen vor den Bankautomaten und in den Supermärkten schlagen sich in der Stimmung der Menschen nieder.

Die Regierung wirbt weiterhin offensiv für das 'Nein'. Ministerpräsident Alexis Tsipras und Varoufakis drohten, bei einem 'Ja' zurückzutreten. Auch bei den Verhandelnden liegen also die Nerven offensichtlich blank.

IWF: Griechenland braucht mehr als 50 Milliarden Euro bis 2018

Ganz egal, wie diese Geschichte weitergeht, Bruch, Einigung oder Abwarten, Griechenland hat nach einer Einschätzung aus dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bis Ende 2018 einen zusätzlichen Finanzbedarf von 50 Milliarden Euro. Bei dieser Berechnung sei die jüngste dramatische Entwicklung noch nicht berücksichtigt. Das Papier mit Berechnungen der Experten ist auch mit der IWF-Führung noch nicht abschließend abgestimmt, aber alleine zwischen Oktober 2015 bis Oktober 2016 würden 29 Milliarden Euro benötigt, heißt es weiter.

Die IWF-Experten erklärten, dass eine Lockerung der bislang erwogenen Reformpakete auch einen Schuldenschnitt notwendig machen würde. Dies gelte etwa, wenn eine Einigung geringere Haushaltsüberschüsse oder schwächere Reformvorgaben vorsehe. Das Papier mit den Berechnungen der Mitarbeiter ist weder mit den anderen Geldgebern noch mit der IWF-Führung abschließend abgestimmt.

Ein düsteres Bild malen die Autoren von der Schuldenhöhe gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Bisher erwartete der IWF, dass der Wert bis 2020 auf 128 Prozent sinkt. Nun geht er von rund 150 Prozent aus. Das liegt weit über den 117 Prozent, die der Fonds bislang als höchstens tragfähig erachtete.