Itzehoe: Totgeglaubte Frau landet im Sarg in der Pathologie

04. September 2013 - 12:43 Uhr

Pfleger bemerkt, dass die 'Leiche' atmet

Ein schrecklicher Fehler unterlief Rettungskräften nach dem folgenschweren Verkehrsunfall bei Itzehoe in Schleswig-Holstein. Statt umgehend auf der Intensivstation behandelt zu werden, landete eine ältere Frau im Sarg in der Pathologie - und das, obwohl sie noch lebte. Ein aufmerksamer Pfleger bemerkte, dass die angebliche Leiche noch atmet, wie der Sprecher des Klinikums Itzehoe, Prof. Arno Deister, sagte.

Folgenschwerer Unfall auf der Autobahn 23 bei Itzehoe
Eine 36-jährige Frau und ein sechsjähriger Junge starben noch an der Unfallstelle.
© dpa, Peter Happe

Notärzte hätten vor Ort die angeblich Tote untersucht und keine Lebenszeichen festgestellt, so Deister. Die Rettungskräfte hätten an der Unfallstelle ein EKG erstellt und bei der Frau keine Vitalzeichen festgestellt. Auch aufgrund der sehr schweren Kopfverletzungen sei die Frau als klinisch tot eingeschätzt worden, wie Deister sagte. "Was dann genau passiert ist, weiß keiner."

Bestatter Martin Krause (43) und sein Mitarbeiter Sören Gosau (40) transportierten die 72-Jährige ab. "Wir brachten die Tote mit dem Fahrstuhl in den Keller, sie steckte bis über ihren Kopf in einer Decke. Im Fahrstuhl fing sie dann auf einmal an zu zappeln", so der Bestatter zur 'Bild'-Zeitung. "Es war ein Schock. Als wir den Sack öffneten schnappte die angeblich tote Frau nach Luft. Sie hatte noch EKG-Pflaster auf der Brust. Sofort haben wir sie in die stabile Seitenlage gelegt. Ein Klinikmitarbeiter rief den Notarzt. So was habe ich in über 25 Jahren als Bestatter nicht erlebt", so Krause weiter.

Wie kann so etwas passieren? "Theoretisch kann es sein, dass es einen technischen Fehler gegeben hat oder dass die Umgebungsbedingungen schlecht waren, zum Beispiel Lärm oder starker Wind", erklärte Professor Heinzpeter Moecke.

Unfallursache ist noch unklar

Mittlerweile wird die Frau auf einer Intensivstation behandelt. Sie war bei dem Frontalzusammenstoß auf der Autobahn 23 lebensgefährlich verletzt worden.

Nach Angaben der Polizei Itzehoe verließ der mit drei Erwachsenen und vier Kindern besetzte Kombi auf der Störbrücke seine Spur und raste in den Gegenverkehr. Eine junge Frau und ein Kind in dem Auto starben noch an der Unfallstelle. Die anderen fünf Insassen - ein Mann, drei Kinder und die zunächst totgeglaubte ältere Frau - wurden schwer verletzt aus dem Wrack geborgen.

Der 42-jährige Fahrer des zweiten Wagens wurde ebenfalls schwer verletzt. Eine 34-jährige Fahrerin, die mit ihrem Kleinwagen in die Unfallstelle raste, wurde nur leicht verletzt.

Bei dem Auto des Unfallverursachers handelte es sich nach Angaben eines Polizeisprechers um einen fünfsitzigen Wagen. In dem Fahrzeug saßen insgesamt sieben Menschen mit Fahrtziel Nordfriesland. Weitere Angaben zu den Fahrzeuginsassen machte die Polizei zunächst nicht. Zur Unfallursache gab es zunächst keine Erkenntnisse. An allen drei Fahrzeugen entstand Totalschaden.

An der Unfallstelle ist die A23 wegen eines Brückenneubaus derzeit auf eine Fahrbahn je Richtung verengt. Der Verkehr läuft dort ohne Trennung der Fahrspuren durch eine Leitplanke eng aneinander vorbei.