Drastische Maßnahme

Italien will wegen Coronavirus Städte abriegeln

Coronavirus - Italien
Coronavirus - Italien
© dpa, Luca Bruno, FP lix

23. Februar 2020 - 8:51 Uhr

Zehntausende Menschen eingesperrt

Kein europäisches Land hat mehr Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 registriert als Italien. Nun trifft die Regierung drastische Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus. Die am stärksten betroffenen Städte im Norden des Landes sollen abgeriegelt werden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu stoppen. "Das Betreten und Verlassen dieser Gebiete ist verboten", sagte Regierungschef Giuseppe Conte. Damit werden Zehntausende in diesen Gebieten lebende Menschen eingesperrt.

Reaktion nach zwei Todesfällen

In Italien waren zuvor 76 Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 erfasst worden, zwei Menschen sollen daran gestorben sein. Damit ist Italien das europäische Land mit den weitaus meisten erfassten Sars-CoV-2-Infizierten. In Deutschland wurden bisher 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf, darunter ein Todesfall.

Ministerpräsident Conte kündigte die Notfallmaßnahme nach Krisengesprächen mit der Zivilschutzbehörde des Landes an. Zunächst sollten die Sicherheitskräfte die betroffenen Regionen abriegeln. "Wenn nötig, werden es auch die Streitkräfte sein", so Conte weiter. Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe «strafrechtliche Verfolgung». Er setze dennoch auf Verständnis der Bevölkerung.

Auch Südtirol bereitetet auf Notfall vor

 EU - EU COUNCIL - POLITICS - Special European Council, 20 February 2020 Brussels, Giuseppe Conte Italian Prime Minister arrives for the European Union Council summit in Brussels, Belgium, February 20, 2020. Brussels Brussels-Capital Region Belgium P
Italiens Regierungschef Giuseppe Conte
© imago images/Hans Lucas, Diego Ravier via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Ein Aussetzen der innereuropäischen Reisefreiheit im Rahmen der Schengen-Zone sei vorerst nicht vorgesehen. Auch in Südtirol bereiteten sich die Behörden auf einen Notfall vor. Unter anderem empfahlen die Gesundheitsbehörden dem Südtiroler Landeshauptmann Thomas Widmann vor, die Universität Bozem sowie Kitas und Kinderhorte für die kommende Woche zu schließen. Zudem sei ein medizinischer Notfallplan erstellt worden, berichtete die Website des Rundfunksenders Südtirol.

In Italien verteilten sich die Infizierten auf die Lombardei, Venetien und die Region Piemont. Nachgewiesen wurde der Erreger demnach unter anderem bei der Frau und einer Tochter des Mannes, der mutmaßlich Italiens erstes gemeldetes Covid-19-Todesopfer ist. Der italienische Zivilschutz sprach von einem zweiten Opfer, dessen Tod wohl auf die von Sars-CoV-2 verursachte Lungenerkrankung Covid-19 zurückzuführen sei.

RTL NEWS empfiehlt

Anzeigen:

Sämtliche Großveranstaltungen abgesagt

09.02.2020, Italien, Mailand: Fußball: Serie A, Italien, Inter Mailand - AC Mailand, 23. Spieltag, im Stadio Guiseppe Meazza. Zuschauer stehen vor Beginn des Spiels vor dem Stadion. Foto: Petter Arvidson/Bildbyran via ZUMA Press/dpa +++ dpa-Bildfunk
Das Guiseppe-Meazza-Stadion in Mailand bleibt heute ebenso wie alle anderen Theater in den betroffenen Regionen geschlossen.
© dpa, Petter Arvidson, zeus frd

Beim ersten gemeldeten Toten handelt es sich um einen 78-Jährigen in Venetien, beim zweiten um eine Frau in der Lombardei. Der Ausbruch in der Lombardei geht auf einen 38-Jährigen zurück, der seit Mittwoch schwer erkrankt in der Klinik der Kleinstadt Codogno behandelt und tags darauf positiv auf den Erreger getestet wurde.

In zehn Gemeinden der Lombardei wurden Schulen und ein Großteil der Geschäfte vorübergehend geschlossen. Rund 50.000 Einwohner sind aufgerufen, möglichst zuhause zu bleiben. Großveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportevents wurden verboten. Auch die Serie-A-Spiele Inter Mailand - Sampdoria Genua, Atalanta Bergamo - US Sassuolo Calcio und Hellas Verona - Calgliari Cal wurden abgesagt.