Italien: Vettels Thron bröckelt

SPA, BELGIUM - AUGUST 25: Sebastian Vettel of Germany and Ferrari walks in the Paddock during previews ahead of the Formula One Grand Prix of Belgium at Circuit de Spa-Francorchamps on August 25, 2016 in Spa, Belgium.  (Photo by Mark Thompson/Getty I
Für Sebastian Vettel und Ferrari läuft es in dieser Saison alles andere als optimal
wt, Getty Images, Bongarts

Sebastian Vettel verliert nach und nach den Rückhalt in der italienischen Öffentlichkeit. Der deutsche Ferrari-Pilot sei zuletzt "nervös und ungenau" gewesen, schrieb die 'Gazzetta dello Sport'. Für das Rennen in Spa (Platz 6) verpasste das Sportblatt dem viermaligen Weltmeister die Note 5 - "insufficiente".

Mit dem Urteil war Italiens größte Sportzeitung nicht alleine. Nahezu alle bedeutenden Blätter gaben Vettel die Schuld am Crash in Kurve eins von Spa mit Teamkollege Kimi Räikkönen und Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Der Rest der Formel-1-Welt hatte fast einstimmig den Niederländer für die Kollision verantwortlich gemacht, der das Rennen aller Beteiligten ruinierte.

Vettel ist nicht mehr unumstritten in Italien. Vor anderthalb Jahren war er euphorisch empfangen worden, mit Eifer und großem Talent sollte er helfen, die Scuderia wieder zur ersten Adresse der Königsklasse zu machen. Parallelen zur Ferrari-Ära seines Vorbilds Michael Schumacher waren schnell hergestellt. Vettel präsentierte sich zugänglich, lernte in beeindruckendem Tempo Italienisch und kam einfach gut an.

Vettel oft dünnhäutig

Viel ist davon nicht mehr übrig: Kein Sieg in dieser Saison und weiterhin ein großer Rückstand auf Mercedes. Dazu ein Vettel, der oft dünnhäutig reagiert, auch einen Rundumschlag gegen die italienische und deutsche Presse erlaubte er sich in diesem Sommer. All das wird kritisch begleitet. Es häufen sich die Kommentare, Vettel bringe riesiges Talent mit, komme nun mit den schwierigen Umständen aber nicht zurecht und verliere die Nerven. Auch der redselige Ferrari-Chef meldete sich in diesen Tagen mal wieder zu Wort, und Sergio Marchionnes Aussagen klangen nicht ermutigend. "Jeder von uns muss gehen, wenn der Erfolg nicht stimmt", sagte der 64-Jährige.

Das Problem für Vettel und die Scuderia: Es fehlen jegliche Argumente. Mercedes ist außer Reichweite, mittlerweile ist auch Red Bull Racing in der Gesamtwertung vorbeigezogen. Immer wieder gab es in diesem Jahr zwar Anzeichen für einen Aufwärtstrend, doch zuletzt verhinderten stets technische Probleme oder einfach Pech die nötigen Erfolge.

Auch in Belgien war bei genauem Hinsehen durchaus nicht alles schlecht. "Wir können Spa erhobenen Hauptes verlassen, der Speed war da, normalerweise wären wir hinter Mercedes reingekommen", sagte Vettel und hatte Recht.

Und sogar die kritische ‘Gazzetta dello Sport‘ wies auf diesen positiven Aspekt hin, die Leistung des SF16-H im ersten Rennen nach der Sommerpause war ein Mutmacher. In Spa sei "der beste Ferrari des Jahres" leer ausgegangen, schrieb das Blatt, "es bewegt sich etwas am Ferrari-Firmament".