Italien lockert strikten Shutdown

Nach monatelanger Corona-Trennung: Cecilia (5) darf Großeltern endlich wieder in die Arme schließen

05. Mai 2020 - 14:15 Uhr

Video zeigt emotionales Wiedersehen in Rom

Die kleine Cecilia sieht ihren Opa, dann rennt sie los, fliegt ihm in die Arme und lässt ihn lange nicht mehr los. Zwei Monate haben sich die Großeltern und ihr Enkelkind nicht mehr gesehen, so lange dauerte die strikte Ausgangssperre, die Italien verhängt hatte. Seit Montag dürfen die Menschen endlich wieder raus. Fabriken fahren hoch, Sport in Parks ist wieder erlaubt, Familien dürfen sich nach langer Trennung sehen. Es sind erste Schritte zurück in die Normalität.

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Mailänder tanzen ausgelassen auf der Straße

Domenico di Massa kann die Tränen nicht zurückhalten. "Während der Quarantäne waren wir verzweifelt, jetzt kann ich gerade nichts mehr sagen, so aufgeregt bin ich", erzählt der 72-Jährige, dann versagt ihm die Stimme. "Als ich sie sah, blieb mir das Herz stehen", sagt Großmutter Mariantonia Gangemi. "Es fühlt sich an, als hätten wir sie Jahrhunderte nicht mehr gesehen." Auch Enkeltochter Cecilia hat ihren Opa und ihre Oma während des Lockdowns schmerzlich vermisst. "Ich bin sehr aufgeregt, weil ich sie die ganze Zeit nicht sehen konnte", erzählt das fünf Jahre alte Mädchen. "Ich konnte nur am Telefon mit ihnen sprechen."

Auch die Bewohner von Mailand sind in Feierlaune. Ein Twitter-Video zeigt, wie sie auf der Straße an der frischen Luft ausgelassen tanzen - mit Abstand und Atemschutzmaske versteht sich. Zum ersten Mal durften sie ihr Zuhause wieder ohne triftigen Grund verlassen. Spazierengehen und joggen im Park sind seit Montag wieder erlaubt, die Menschen können ihre Verwandten besuchen.

"Jetzt müssen die Menschen große Verantwortung zeigen"

Auch Cecilia darf den ganzen Tag mit ihren Großeltern verbringen, ihre Eltern können erstmals wieder zur Arbeit gehen. Genau wie rund 4,5 Millionen andere Italiener auch. Zum Teil allerdings mit strengen Sicherheitsmaßnahmen wie Fieberchecks, die auch an Bahnhöfen zum Alltag gehören. Die Verunsicherung ist spürbar. Auch, wenn die Geschäfte wieder geöffnet haben, ist Italien von Normalität noch weit entfernt. "Es sind nur sehr wenige Kunden, die sich im Augenblick überhaupt noch auf die Straße trauen", berichtet RTL-Reporter Udo Gümpel aus Rom. "Zu sehr steckt den Italienern der Respekt vor Covid-19 in den Knochen."

Über 29.000 Corona-Tote hat Italien aktuell zu beklagen, zwischenzeitlich war das Gesundheitssystem kollabiert. Verständlich, dass der Präsident der Hausärzte besonders im Moment in großer Sorge ist. "Jetzt scheint die Normalität wieder zurückzukehren", sagt Guido Marinoni RTL in einem Videointerview. "Aber das Lockern des Shutdowns ist ein sehr kritischer Augenblick. Jetzt müssen die Menschen große Verantwortung zeigen."

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