Italien feiert Berlusconi-Rücktritt wie WM-Titel

Der Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi hat in Rom Jubelfeiern auf den Straßen ausgelöst.
Der Rücktritt des italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi hat in Rom Jubelfeiern auf den Straßen ausgelöst.
© REUTERS, REMO CASILLI

17. November 2011 - 21:34 Uhr

Erleichterung in Rom

Aufbruchsstimmung in Rom, die Ära Berlusconi ist zu Ende. Der gescheiterte Regierungschef reicht seinen Rücktritt ein. Auf der Straße feiern seine Gegner. Mit einem stundenlangen nächtlichen Freudenfest haben Italiener den Rücktritt des umstrittenen Premiers gefeiert. Fahnen wurden in Rom geschwenkt, Autohupen vor allem rund um die Privatvilla Grazioli des 75-jährigen Berlusconi betätigt. Beobachter meinten, so sei bisher nur gefeiert worden, wenn Italien den Weltmeistertitel im Fußball geholt hatte.

Die großen TV-Sender der Welt wie CNN und BBC berichteten es live: Der gescheiterte Regierungschef trat ab. Das teilte das Amt von Staatspräsident Giorgio Napolitano in Rom mit. Berlusconi hatte Napolitano aufgesucht, um seinen Rücktritt einzureichen. "Heute ist der Tag der Befreiung Italiens", meinte der Chef der größten Oppositionspartei PD (Demokratische Partei), Pierluigi Bersani, zu dem Rücktritt, den die Gegner seit langem von dem umstrittenen Berlusconi verlangt hatten.

Als aussichtsreicher Nachfolger ist der ehemalige EU-Kommissar Mario Monti im Gespräch. Von dem ausgewiesenen Wirtschaftsfachmann erhoffen sich die Italiener Lösungen für das hoch verschuldete und unter starkem Druck der Finanzmärkte stehende Land. Der Rücktritt Berlusconis wird in Italien als Ende einer Epoche gewertet: 17 Jahre lang prägte der 'Cavaliere' politisch das Geschehen in seinem Land.

“Hau ab, Mafioso“

"Tritt ab, geh nach Hause", lauteten Sprechchöre gegen Berlusconi, als dieser das Abgeordnetenhaus durch den Hintereingang verließ. Rufe wie "Hau ab, Mafioso" hatten den umstrittenen Ministerpräsidenten bereits bei der Abfahrt aus seiner Villa Grazioli auf dem Weg zum Quirinalspalast begleitet. Ein Sturm der Entrüstung "Hanswurst, Hanswurst" empfing ihn, als er - schwer eskortiert - dort eintraf.

Zuvor hatte nach dem Senat auch das Abgeordnetenhaus einem von Brüssel verlangten Reformpaket zugestimmt. 380 der 630 Abgeordneten sprachen sich für das Gesetz aus, 26 votierten dagegen. Die Demokratische Partei war zwar in der Kammer präsent, stimmte aber nicht mit ab. Diese Abstimmung war der letzte Akt der vor dreieinhalb Jahren eingesetzten Regierung Berlusconi.

Nach dem Abtritt des umstrittenen Regierungschef soll jetzt die Nachfolge rasch geregelt werden . Napolitano will umgehend mit den Konsultationen der Parteien beginnen, um eine Notregierung vor allem aus Fachleuten zu bilden. Monti werden beste Chancen eingeräumt, weil trotz einer Zerreißprobe inzwischen auch Berlusconis Partei ihre prinzipielle Zustimmung zu einer Regierung Monti gibt.

Allerdings soll Berlusconi bereits auch damit gedroht haben, dass "wir auch wieder abschalten können, wann wir wollen." Außerdem würde er gern seinen Vertrauten Gianni Letta in der neuen Regierung sehen.

Eine Alternative zu einer Notregierung wären Neuwahlen. Napolitano muss prüfen, welche Lösung sich anbietet. Er selbst mache sich für eine Regierung unter Monti stark, wie italienische Medien berichten.