Italien: Bus rast in Stauende - 38 Tote

30. Juli 2013 - 8:33 Uhr

Augenzeugen: Geplatzter Reifen ist schuld

Nahe Neapel ist ein voll besetzter Reisebus in ein Stauende gerast und von einer Brücke 30 Meter in die Tiefe gestürzt. Dabei starben 38 Menschen, zahlreiche wurden verletzt. Unter den Opfern sind viele Kinder. Den Helfern bot sich ein Bild des Grauens.

Der Bus zerbrach bei seinem Aufprall in zwei Teile.
Der Bus zerbrach bei seinem Aufprall in zwei Teile.
© dpa, Matteo Guidelli

Die Reisegruppe war auf dem Rückweg von einem Ausflug, als der Bus ersten Ermittlungen zufolge mit hoher Geschwindigkeit in das Stauende raste. Er rammte mehrere Autos, durchbrach eine Leitplanke und stürzte schließlich in eine Schlucht, wo er in unwegsamem Gelände liegen blieb. Der Aufprall war so heftig, dass der Bus in zwei Teile zerbrach.

Warum der Bus gegen 20.30 Uhr so schnell auf das Stauende auf der A 16 auffuhr, ist bislang unklar. Möglicherweise habe es ein Problem mit den Bremsen gegeben, berichtete Ansa. Augenzeugen berichteten von einem geplatzten Reifen und Problemen mit den Bremsen. Eine Überlebende aus dem Bus berichtete, der linke Reifen sei geplatzt. Der Fahrer habe verzweifelt versucht, die Kontrolle über das Fahrzeug zu behalten. Dies sei ihm aber nicht gelungen.

Er kam ebenfalls ums Leben. Seine Leiche solle auf Alkohol- und Drogenrückstände untersucht werden. Die Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung ein. Im Fokus stehe aber nicht nur der Fahrer, sondern auch der Zustand der Straße und die Beschilderung.

Letta: "Das ist ein trauriger Tag"

Der Unfall ereignete sich auf der Autobahn Neapel-Bari zwischen Monteforte Irpino und Baiano in der Region Kampanien. Insgesamt sollen knapp 50 Menschen mit dem Bus unterwegs gewesen sein. Wie italienische Medien berichten, handelte es sich um eine Pilgerreise. Die Opfer sollen aus den Orten Giugliano, Mugnano und Marano in der Nähe von Neapel stammen.

Die zehn Überlebenden wurden mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser in Neapel gebracht. Ansa zufolge sind unter ihnen sechs Kinder, von denen zwei sich am Montagmorgen noch in kritischem Zustand befanden.

"Die Rettungsarbeiten waren sehr schwierig, weil der Bus nur noch ein Trümmerhaufen war und die Passagiere zwischen dem Blech eingeklemmt wurden", sagt Feuerwehrkommandant Alessio Barbarulo.

Am Montagmorgen wurden Särge mit den Opfern dann in eine Schule in Monteforte Irpino gebracht, wo auch die Angehörigen Gelegenheit haben sollten, Abschied zu nehmen. Die Autobahn blieb nach dem Unfall stundenlang gesperrt.

Für Italien ist es eines der schwersten Busunglücke in der Landesgeschichte, viele Politiker und die Öffentlichkeit reagierten schockiert. Italiens Ministerpräsident Enrico Letta sagte seinen Besuch der Akropolis in Athen ab. "Das ist ein trauriger Tag", sagte er. "Es gibt keine Worte dafür." Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) zeigte sich ebenfalls betroffen: "Ich bin bestürzt über das schwere Busunglück in Italien, bei dem so viele Menschen ums Leben gekommen sind. Den Angehörigen der Toten gilt unsere Anteilnahme, den Verletzten wünschen wir baldige Genesung."