Italien: Bombenexplosion vor Schule - Tote

19. Mai 2012 - 21:53 Uhr

16-jährige Schülerin ums Leben gekommen

Ein Bombenanschlag hat eine Schülerin in Italien in den Tod gerissen. Die 16-Jährige starb nach der Explosion vor der Modeschule Morvillo Falcone in der Hafenstadt Brindisi. Ihre gleichaltrige Freundin konnte gerettet werden, die Ärzte hatten stundenlang um ihr Leben gekämpft. Über die Zahl der weiteren Verletzten herrscht Unklarheit, zuletzt war von fünf die Rede. Einige der Schülerinnen erlitten schwere Verbrennungen und mussten operiert werden.

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Ein Bombenanschlag hat eine Schülerin in der italienischen Hafenstadt Brindisi getötet.
© dpa, Dario Caricato

Die Bombe explodierte am Eingang der Schule, als die Schülerinnen auf dem Weg zum Unterricht waren. Augenzeugen sprachen nach dem Anschlag von einem Inferno. Viele der Auszubildenden standen unter Schock, berichteten Rettungskräfte. An der Schule und an umliegenden Gebäuden zersplitterten Fenster. Die Detonation war weit zu hören. Vor der Schule auf der Straße lagen zerfetzte Schulhefte und angekohlte Bücher.

Offenbar war die aus drei miteinander verbundenen Gaskartuschen gebaute Bombe an einem Müllcontainer an einer Mauer am Eingang der Schule deponiert und wurde mit einem Zeitzünder ausgelöst. Für Spekulationen, die Mafia könne hinter der Tat stecken, gab es bislang keine Beweise. Die Schule ist nach dem Mafia-Jäger Giovanni Falcone und seiner Frau Francesca Laura Morvillo-Falcone benannt, die 1992 von der Mafia ermordet wurden. Zum Jahrestag des Attentats am 23. Mai sind Gedenkfeiern geplant.

"Der Anschlag sollte Menschen töten"

Der Polizeichef Italiens, Antonio Manganelli, sagte im Fernsehen Sky TG 24, er halte für unwahrscheinlich, dass etwa Liebeskummer das Motiv für die Tat sein könne. Aber für einen Mafia-Hintergrund gebe es keine Beweise: "Die Mafia hat nie einen solchen Anschlag verübt." Der Bürgermeister von Brindisi, Cosimo Consales, der zunächst die Mafia verantwortlich gemacht, äußerte sich später vorsichtiger: "Der Hintergrund des Attentats ist noch nicht klar."

Schuldirektor Angelo Rampino sagte dem Sender Rai News: "Der Anschlag sollte Menschen töten." Die Bombe sei explodiert, als die Mädchen in die Schule kamen - etwas früher wäre wahrscheinlich wenig passiert. Alle Schulen der Stadt wurden geräumt.

Im Raum Brindisi ist die mafiöse Gruppe Sacra Corona Unita aktiv. Anfang Mai gab es einen Anschlag auf den Präsidenten der Kommission gegen das organisierte Verbrechen, Fabio Marini. Am Samstag sollten in der Hafenstadt die Teilnehmer eines Anti-Mafia-Marsches ankommen.

Staatspräsident Giorgio Napolitano sprach von einem barbarischen Akt.

Erst vor wenigen hatte Rom einen Anti-Terror-Plan auf den Weg gebracht und die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Allerdings standen bisher die Steuerbehörden im Mittelpunkt der Sorge. Anarchistische Gruppen hatten mit Anschlägen gedroht.