Istanbul im Ausnahmezustand: Über 20 Verletzte bei Protesten am 1.Mai

01. Mai 2015 - 20:41 Uhr

203 Festnahmen bei gewaltsamen Zusammenstößen

Randalierer schleuderten Steine, Menschen schmissen Molotowcocktails nach Polizisten. Gewaltsam versuchten sich Demonstranten regierungskritischer Gewerkschaften gegen die türkische Polizei zu wehren, nachdem diese die zentrale 1.-Mai-Demonstration in Istanbul mit Wasserwerfern und Tränengas aufgelöst hatte.

Bei den 1.Mai-Demonstrationen in Istanbul werden 24 Menschen verletzt, nachdem die Polizei die Demo mit Tränengas und Wasserwerfern auflösen will.
Mit Wasserwerfern und Tränengas geht die Polizei am 1. Mai gegen Demonstranten vor, die auf den Taksim Platz wollen.
© REUTERS, STRINGER/TURKEY

Zunächst war alles ruhig verlaufen. Nach offiziellen Angaben waren mehr als 20.000 Polizisten im Einsatz, um dafür zu sorgen, dass die Kundgebungen mit 1.500 Teilnehmern friedlich bleiben. Die Organisatoren verhandelten mit der Polizei darüber, zum abgeriegelten Taksim-Platz marschieren zu dürfen. Ein symbolträchtiger Platz, auf dem seit den Gezi-Protesten im Sommer 2013 keine regierungskritischen Demonstrationen mehr zugelassen wurden. Als die Polizei auch heute den Zugang verweigerte, eskalierte die Situation.

Mindestens 24 Menschen seien nach offiziellen Angaben verletzt worden. Bei ihnen handele es sich um 18 Demonstranten und sechs Polizisten, sagte Istanbuls Gouverneur Vasip Sahin. 203 Menschen seien festgenommen worden.

In der Türkei wird am 7. Juni ein neues Parlament gewählt. Die Teilnehmer demonstrierten mit Slogans, in denen sie Präsident Erdogan als "Mörder" und "Dieb" bezeichnen. Erdogan verteidigte die Sperrung des Taksim-Platzes damit, dass er andere Orte für Demonstrationen angeboten habe.

1.Mai-Demonstrationen in Deutschland

In Weimar stürmen 50 Rechtsextreme die 1.Mai-Kundgebungen. Vier Menschen werden verletzt.
Rechtsextreme attackieren Kundgebungsbesucher am 1. Mai in Weimar.
© dpa, Thorsten Büker

In Weimar wurden die Kundgebungen zum 1. Mai von einem Neonazi-Überfall überschattet. Etwa 50 Rechtsextreme attackierten die Kundgebungsbesucher, dabei wurden vier Menschen verletzt. Die Angreifer stürmten die Bühne, als der Thüringer SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider mit seiner Rede beginnen wollte und griffen darauf zum Mikrofon, durch das sie rechte Parolen ins Publikum riefen. Einige von ihnen trugen ein Plakat der "Jungen Nationaldemokraten" mit sich, der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD.

"Es ging alles so schnell", sagt Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD). "Noch bevor wir das realisiert hatten, prügelten die schon." 29 der Gewalttäter wurden festgenommen. Thüringens Linken-Chefin Susanne Hennig-Wellsow forderte entsprechende Konsequenzen:

"Das Verbot von Neonazi-Strukturen muss schnell auf die politische Tagesordnung - auch in Thüringen."

Die geplante Mai-Aktion der Rechtsextremen in Mecklenburg-Vorpommern scheiterte dagegen. In Neubrandenburg gelang es mehreren hundert linken Gegnern die Demonstration der NPD zum Abbruch zu zwingen. Auf Grund mehrerer Blockaden mussten die rund 300 Rechtsextremisten ihren Marsch nach vier Stunden absagen.

Auch in Hamburg wurde eine linksextreme Demonstration im Stadtteil St. Pauli mit 700 Teilnehmern von der Polizei aufgelöst. Weil einige der Demonstranten vermummt waren und mit Böllern und Gegenständen auf die Beamten warfen, musste die Polizei den Zug schon gleich zu Beginn stoppen. Auf einer zweiten Demonstration im Stadtteil Altona zündeten einige der 1.000 linksgerichteten Teilnehmer Feuerwerkskörper. Die Polizei musste den Marsch deshalb mit Wasserwerfern kurzzeitig stoppen.

Ähnlich turbulent verliefen die sogenannten "revolutionären 1.-Mai-Demonstration" in Berlin-Kreuzberg. Demonstranten warfen Steine auf Polizeiautos und schmissen mit Knallkörpern. 6.200 Polizisten waren im Einsatz.