Umstrittene Entscheidung

Hagia Sophia öffnet als Moschee - Türkischer Präsident Erdogan betet

24. Juli 2020 - 13:22 Uhr

Entscheidung Erdogans ist hoch umstritten

Die Hagia Sophia in Istanbul öffnet in diesen Minuten wieder als Moschee. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das historische Gebäude von einem Museum in ein islamisches Gotteshaus umgewandelt. Seine Entscheidung ist hoch umstritten. Während Erdogan von einer "Auferstehung" spricht und einem "Fehler", der behoben werde, kritisieren Kirchenvertreter sowie vor allem Russland und Griechenland die Entscheidung scharf.

Auch deutsche Bundesregierung drückte ihr Bedauern aus

Die Bundesregierung hatte die Umwandlung der Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum zu einer Moschee "mit Bedauern zur Kenntnis genommen". "Die Hagia Sofia hat eine große kulturhistorische Bedeutung, sie hat eine große religiöse Bedeutung, und zwar sowohl für das Christentum als auch für den Islam, und wir messen ja diesem interreligiösen Dialog hohen Wert bei", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert vor zwei Wochen zu den Plänen Erdogans.

Der Status als Museum habe Menschen aller Glaubensrichtungen zu jedem Zeitpunkt freien Zugang zu diesem Meisterwerk und Weltkulturerbe ermöglicht, sagte Seibert.

Ein türkisches Gericht hatte den Status der Hagia (Aussprache: Aja) Sophia als Museum annulliert. Der türkische Präsident Erdogan ordnete daraufhin an, die "Hagia Sophia Moschee" für das islamische Gebet zu öffnen. Seitdem hatten Inspektionen und Umbauten stattgefunden.

ARCHIV - 05.12.2012, Türkei, Istanbul: Die Hagia Sopia, aufgenommen kurz nach Sonnenaufgang. Das Istanbuler Wahrzeichen Hagia Sophia - einst Kirche, dann unter den Osmanen eine Moschee und von Republikgründer Atatürk 1934 säkularisiert und zum Museum
Die Hagia Sophia öffnet als Moschee.
© dpa, Marius Becker, mb sv fgj jai

Hintergrund der weitreichenden Entscheidung

Die Hagia Sophia (griechisch: Heilige Weisheit) wurde im 6. Jahrhundert nach Christus erbaut und war Hauptkirche des Byzantinischen Reiches, in der die Kaiser gekrönt wurden. Nach der Eroberung des damaligen Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 wandelte Sultan Mehmet II. die Hagia Sophia in eine Moschee um und ließ als äußeres Kennzeichen vier Minarette anfügen. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung der Hagia Sophia in ein Museum an – dadurch war sie über viele Jahrzehnte Menschen verschiedener Konfessionen frei zugänglich.