25. Juni 2019 - 15:58 Uhr

von Ingo Jacobs

Jagen und gejagt werden - das ist für mich Völkerball. Und zwar eben immer schön im abrupten Wechsel - was ja der Spaß an der Sache ist. Und natürlich hat sich jeder einen Ast gefreut, wenn der im gegnerischen Team auf einen Spieler klatschte. Zack - du bist raus. Death match! Yeah! Kanadische Forscher sagen jetzt: Schluss mit Völkerball - denn es entmenschliche die Spieler und sei ein Werkzeug der Unterdrückung. Legalisiertes Mobbing, quasi!

Viele Schüler hassen Völkerball

Ich habe Völkerball immer gerne gespielt. Das einzige, was mich immer genervt hat: Wenn es einen früh erwischt hatte, war das Spiel schon aus. Und das war doof - weil langweilig: Der Nervenkitzel war vorbei. Joy Butler, Pädagogik-Professorin an der University of British Columbia, argumentiert jetzt: Hier werden Schüler angeleitet, ihren Aggressionen freien Lauf zu lassen, statt dass sie im Gegenteil lernen, ihre Aggressionen zu kontrollieren. Dazu interviewte sie zusätzlich Mittelstufen-Schüler - und die meisten gaben an, Völkerball zu hassen.

Die Forscher verglichen die Argumente der Schüler mit Merkmalen der Unterdrückung: Ausbeutung, Abdrängung, Entmachtung und Gewalt. Und kamen so zu dem Schluss, dass Völkerball kein sinnvolles pädagogisches Konzept sei. Nun muss man sagen: Butler und ihre Wissenschaftler-Kollegen sprechen hier über Dodgeball, der knallharten High-Speed-Variante von Völkerball - hier wird gleich mit mehreren Bällen geballert. So ein Spiel kann schnell vorbei sein!

Am Ende ist die Arbeit der Pädagogen entscheidend

Befasst man sich länger mit der Studie aus Kanada, bekommt man fast den Eindruck, dass diese Sportart dort eine Art Kulturprinzip sein muss - so stark schätzen die Forscher den Einfluss des Spiels auf die Köpfe der Kinder und Jugendlichen ein - als gäbe es nur diesen einen Sport!? Natürlich weiß jeder, dass Sport grundsätzlich immer das Sich-Messen und die Erfahrung von Niederlagen mit sich bringt. Und dass Schüler, die nicht so sportlich waren, darunter gelitten haben - auch beim Völkerball. Aber hey, das waren dann doch auch die, die in Mathematik oder Physik brillant waren - und in diesen Disziplinen habe ich eher gelitten und die Erfahrung von Niederlage und Schwäche gemacht.

Letztlich hängt es doch von der guten Arbeit der Pädagogen ab: Dass sie einem helfen, die Schwächen zu erkennen, anzunehmen und zu versuchen, sich zu verbessern. Dabei kann auch Völkerball heute noch durchaus nützlich sein!