Kann uns der Verzehr krank machen?

Enthält Milch tatsächlich Eiter - und was bedeutet das für unsere Gesundheit?

iStock Milch Frau

24. September 2020 - 13:20 Uhr

Nur ein Mythos oder stimmt's?

Milch liefert wertvolles Eiweiß, viele fett- und wasserlösliche Vitamine und spielt als Calcium-Quelle Nummer eins eine wichtige Rolle für den Aufbau und Erhalt von Zähnen und Knochen. Dennoch ist das Lebensmittel aus verschiedenen Gründen nicht unumstritten. Doch was steckt hinter der These, dass Milch Eiter enthalten kann? Diplom-Ingenieur Peter Höckels vom Landeskontrollverband Nordrhein-Westfalen (LKV) – Staatlich anerkannter Milchkontrolldienst – erklärt die Hintergründe.

Milchprodukte sind beliebt

Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Quark und Kefir sind beliebte Eiweißquellen. Im Durchschnitt verzehrten die Deutschen im Jahr 2019 rund 50 Liter Milch, 15 Kilogramm Joghurt, 25 Kilogramm Käse und sechs Kilogramm Butter pro Jahr. Dafür hielten die rund 58.000 Milcherzeuger in Deutschland laut Milchindustrie-Verband etwa vier Millionen Milchkühe. Pro Tag gibt eine Kuh durchschnittlich 20 Liter Milch.

+++So lagern Sie Milchprodukte im Kühlschrank richtig.+++

Erkranken Kühe an einer Euterentzündung, kann Eiter in die Milch gelangen

Kühe können an Euterentzündungen erkranken, weil Erreger über die Zitze ins Euter eindringen. Ähnlich wie beim Menschen auch werden bei einer Entzündung Abwehrzellen freigesetzt, welche die Erreger unschädlich machen. In der Folge dieser Abwehrreaktion entsteht Eiter, der dann beim Melken in die Milch gelangen kann.

Doch landet entsprechend belastete Milch auch tatsächlich im Verkauf? Diplom-Ingenieur Peter Höckels vom Landeskontrollverband Nordrhein-Westfalen – Staatlich anerkannter Milchkontrolldienst – verneint dies ganz entschieden. "Der Landwirt muss die Tiere vormelken und sich überzeugen, dass die Milch nicht verändert ist. Sie darf beispielsweise kein Blut oder ähnliches enthalten. Ist dies der Fall, darf der Landwirt sie nicht in der Molkerei anliefern", erklärt Höckels.

Milchgüteverordnung regelt Keimgehalt

Für den Keimgehalt der Milch gibt es Grenzwerte, die in der Milchgüteverordnung festgelegt sind und eingehalten werden müssen. In der Milchgüteverordnung sei außerdem festgeschrieben, dass Milch regelmäßig – das heißt mindestens zwei Mal im Monat –  auf den Gehalt an somatischen Zellen überprüft werden müsse. "De Facto wird der Gehalt jedoch täglich kontrolliert. Die Kontrolle der Milch ist sehr engmaschig", sagt der Experte.

Der Gehalt an somatischen Zellen, wie beispielsweise Leukozyten (weiße Blutkörperchen), sei ein Indikator für die Eutergesundheit. Ihre Zahl steigt rasant an, wenn die Tiere beispielsweise an einer Euterentzündung leiden. Für somatische Zellen, zu denen auch die körpereigenen Abwehrzellen des Euters gehören, liegt der Grenzwert bei 400.000 pro ccm. 99 Prozent aller Lieferanten hielten den Grenzwert ein.

Höckels erklärt, dass die Landwirte auch selbst ein Interesse daran haben, dass die Tiere gesund und die Milch einwandfrei sind. "Kühe, die krank sind, geben nicht genügend Milch. Und Landwirte, die Milch abliefern, welche keimbelastet ist, können von der Landwirtschaftskammer von der Milchanlieferung an die Molkereien ausgeschlossen werden." Beides bedeute enorme Einkommensbußen für die Landwirte.

Pasteurisierung tötet Bakterien und Keime ab

Darüber hinaus werde die angelieferte Rohmilch in der Molkerei gereinigt und pasteurisiert. Durch die kurzzeitige Erhitzung der Milch auf mindestens 72-80 Grad würden Krankheitserreger abgetötet und der Keimgehalt der Milch auf ein Niveau gesenkt, das gesunden Menschen nicht schadet. Zudem ist die Milch folglich länger haltbar.

+++Für alle, die auf Nummer sicher gehen wollen: Mittlerweile gibt es eine große Bandbreite an pflanzlichen Milchalternativen. Öko-Test hat 18 davon getestet – welche Produkte nicht nur lecker, sondern auch gesund sind, erfahren Sie hier.+++