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Ist die Pleite Griechenlands überhaupt noch vermeidbar?

Ist die Pleite Griechenlands überhaupt noch vermeidbar?

Bericht der 'Troika' entscheidend

Die Zielsetzung ist seit Bekanntwerden der griechischen Staatsschulden die gleiche: Die Verantwortlichen in Europa wollen eine Lösung finden, um die Lage in den Griff zu kriegen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy haben sich dieses Mal den G20-Gipfel Anfang November zum Stichtag gesetzt. Nach einem Treffen in Berlin kündigten sie an, dort ein Gesamtpaket zur Stabilisierung der Währungsunion, zur Lösung der Schuldenkrise in Griechenland und zur internationalen Finanzmarktregulierung vorzulegen.

Der Britische Premierminister Cameron warnt vor Scheitern der Eurozone
Der britische Premierminister Cameron schickt eine eindringliche Warnung in Sachen Euro an Merkel und Sarkozy.
dpa, Julien Warnand

In Athen haben die Kontrolleure der 'Troika', bestehend aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB), ihre Untersuchungen beendet. Ein positives Fazit der Experten ist Voraussetzung für die Auszahlung der nächsten Tranche der Kredithilfen an Griechenland.

Die 'Troika' soll außerdem eine Einschätzung abgeben, ob die griechischen Schulden unter den jetzigen Bedingungen der Hilfeleistungen überhaupt tragbar sind. Von ihrem Bericht werden die Entscheidungen abhängen, die die EU und vor allem Berlin und Paris in den kommenden Wochen fassen wollen.

Die Liste der Probleme rund um den Euro ist in den zwei Jahren der Krise länger geworden. Die europainterne Krise begann spätestens Ende 2009. Kurz nach dem Wahlsieg des griechischen Premierministers Giorgos Papandreou musste die griechische Regierung einräumen, dass sie die vereinbarten EU-Stabilitätskriterien nicht einhalten kann und die Schuldengrenze um ein Vielfaches überschreiten würde.

Seit der 'griechischen Offenbarung' wurden unentwegt Maßnahmen ergriffen, die Griechenland vor der Staatspleite und die EU vor einer eventuellen Ausweitung der Schuldenkrise bewahren sollten: Zum Beispiel drastische Sparmaßnahmen, finanzielle Hilfe und Haushaltskontrolle durch die EU. Demonstrative Solidaritätsbekundungen der Euro-Länder mit Griechenland konnten die Märkte nicht beruhigen: Ratingagenturen stuften Griechenlands Kreditwürdigkeit Stück für Stück herab.

Cameron: Eurozone könnte scheitern

Durch die Nachwirkungen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 gerieten weitere Euro-Länder in den Schuldensog, Irland und Portugal mussten EU-Hilfe beantragen. Eine Ausweitung der EU-Schuldenkrise zeichnete sich ab.

Mittlerweile hat die Krise ihr erstes großes Opfer: Während Griechenland weiter am Leben gehalten wird, hat Belgien das belgische Geschäft der belgisch-französischen Dexia-Bank wegen ihres Griechenland-Engagements unter staatliche Kontrolle gestellt. Belgien, Frankreich und Luxemburg garantieren mit 90 Milliarden Euro für die gesamte Bank. Damit greifen die Staaten zu einem Instrument aus der Finanzkrise. Das, was mit dem Schuldenberg eines Euro-Landes begonnen hat, hat auf den europäischen Bankensektor übergegriffen.

Bereits Ende August dieses Jahres warnte IWF-Chefin Christine Lagarde vor einem Kapitalengpass europäischer Banken. Europas Finanzminister waren empört, wiegelten ab, mittlerweile sehen sie das Problem und warnen vor einer breiten Bankenkrise. Merkel, und Sarkozy wollen sich mit dem IWF abstimmen. Nach den Bankenstresstests in Europa war Kritik laut geworden, dass die Kriterien zu lasch angesetzt worden seien und damit kein zuverlässiges Bild für den Krisenfall ergeben hätten.

Auslöser der aktuellen Lage ist eine wachsende Verunsicherung unter den Banken, welches Institut von Abschreibungen auf Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder am stärksten getroffen wird. In der Finanzkrise war der Interbanken-Handel wegen des wachsenden Misstrauens in die Zahlungsfähigkeit der Geschäftspartner fast zum Erliegen gekommen.

Nach Angaben der 'Financial Times Deutschland' denkt die Bundeskanzlerin mittlerweile selbst über einen 50-Prozent-Schuldenschnitt für Griechenland nach. Vor wenigen Tagen hatte sie ihren Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) noch für ähnliche Gedanken gerügt. Es scheint aber auch, dass sich die Voraussetzungen, unter denen eine Lösung gefunden werden muss, beinahe stündlich ändern. Sarkozy ist von der angeblichen Idee der Kanzlerin nicht begeistert. Französische Banken sind stark in griechische Geschäfte involviert.

Der britische Premierminister David Cameron fordert von Merkel und Sarkozy entschlossene Gegenmaßnahmen, sonst werde die Eurozone in wenigen Wochen eine wirtschaftliche Katastrophe erleben. "Sie müssen da mit der Panzerfaust ran", so Cameron in der 'Financial Times'. "Die Lage der Weltwirtschaft ist sehr prekär", sagte Cameron. Entweder werde dafür gesorgt, dass die Eurozone richtig funktioniere oder sie könnte scheitern.