Exotisches Haustier

Ist das Känguru der neue Hund?

Känguru-Nachwuchs im Basler Zoo
© dpa, Georgios Kefalas, geke mbu alf

20. Oktober 2020 - 20:03 Uhr

Känguru aus privater Haltung ausgebüxt

Christin Laibach kann es kaum fassen: Als sie morgens den Müll rausbringen möchte, raschelt etwas und das ziemlich laut. Wenig später schaut sie in die braunen Kulleraugen eines Kängurus. Es ist scheinbar Känguru Paul, das bei Halterin Michaela Riedel im Weimarer Land ausgebüxt ist. Bis heute blieb der hüfthohe braune Hüpfer, der auf mysteriöse Weise seinem Gehege in Wiegendorf entkam, verschwunden. Riedel hielt ihre Kängurus zu therapeutischen Zwecken. Doch immer häufiger werden exotische Wildtiere wie Paul als Haustiere gehalten.

Känguruhaltung ist häufiges Problem

Wer ein Haustier bei sich zuhause aufnehmen möchte, muss den neuen Mitbewohner registrieren lassen. Das gilt allerdings nicht etwa für Kängurus. Die Beuteltiere werden in Deutschland grundsätzlich nicht registriert, daher ist unklar, wie viele von ihnen tatsächlich als Haustiere gehalten werden. Klar ist aber, dass die Wildtiere in verschiedenen Internetportalen für 200 bis 2.000 Euro verkauft werden. Der Handel und die Haltung von Wildtieren ist in Deutschland zwar erlaubt, der deutsche Tierschutzbund schlägt aber Alarm.

"Als Wildtiere dürfen sie nicht in der Wohnung gehalten werden"

Der deutsche Tierschutzbund warnt davor, Kängurus in der Wohnung zu halten. Die Tiere bräuchten ein großes Außengehegen mit Sand und Rasen sowie einem flachen Badebecken. Außerdem benötigten die Wildtiere Rückzugsmöglichkeiten wie etwa Baumstämme, Felsen oder Büsche.

Es gäbe nur wenige Informationen darüber, wie eine artgerechte Haltung von Kängurus in Gefangenschaft aussehen könne, heißt es von Seiten des Tierschutzbundes. Die Tiere würden daher häufig nicht ihren Bedürfnissen gerecht gehalten. Als Wildtiere dürfen Kängurus nicht in der Wohnung gehalten werden, so die Tierschützer.

Und mal ehrlich – Wer Kängurus kennt, der weiß, dass einige Arten dämmerungs- und nachtaktiv sind und somit so gar nicht zum menschlichen Rhythmus passen. Was hat man denn dann von seinem neu ersteigerten Exoten-Haustier?