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Ist Baltrum unser Griechenland? 6,5 Millionen Euro Schulden

Ist Baltrum unser Griechenland? 6,5 Millionen Euro Schulden

Kurbeiträge nicht konsequent eingetrieben

Wer vom Festland nach Baltrum übersetzt, spürt wohltuende Ruhe. Viele Gäste kommen seit Jahren, aber niemand ahnt beim Sonnenbaden oder Bummeln durch die autofreien Straßen, dass die Idylle trügt: Die Schulden der Insel haben sich auf sechseinhalb Millionen Euro aufgetürmt, es regiert der Rotstift.

Ist Baltrum unser Griechenland?
Strandkörbe spülen normalerweise viel Geld in die Inselkasse.

Griechische Verhältnisse auf einer deutschen Insel? Hat das Dornröschen der Nordsee so tief geschlafen, hat die Kurverwaltung derart miserabel gewirtschaftet, dass der neue Bürgermeister Berthold Tuitjer nach zwei Jahren im Amt massiv mit der Inselglocke Alarm schlagen muss? "Man kann es nicht beschönigen, dass eine desolate Situation vorgefunden wurde, Abgaben nicht erhoben wurden, dass es im Forderungs-Management große Defizite gab. So hakt dann eins ins andere, das zu dieser Situation geführt hat", sagt er.

Der Kämmerer hatte jahrelang die Haushaltskasse nicht wirklich im Blick. Kurbeiträge wurden zwar erhöht, aber nicht konsequent eingetrieben. Oder: Strandkörbe sind eigentlich eine sichere Einnahmequelle für jede Insel. Aber auf Baltrum staunte Jann Bengen (CDU), Chef der größten Ratsfraktion nicht schlecht, als eine Prüfung ergab, "dass eine erhebliche Differenz liegt von 80.000 bis 100.000 Euro, und es da keine griffige Erklärung gibt, in welchem Sandloch dieses Geld verschwunden ist".

Da wird ein kleines Loch schnell riesengroß, wenn neue Feuerwehrfahrzeuge angeschafft werden müssen oder das in die Jahre gekommene Hallenbad nach Renovierung schreit. Es ist finanziell fünf vor zwölf. Da darf man dem Bürgermeister Glück wünschen, die überfälligen Reformen umzusetzen. Und der idyllischen Insel, dass sie gerade jetzt von treuen Besuchern gut besucht wird. Genau wie den Griechen.