"Israel loves Iran": Liebesbotschaften aus dem Feindesland

20. April 2012 - 9:54 Uhr

Internet-Kampagne als Friedensappell

Bis Hass und Misstrauen durch Liebe und Freundschaft ersetzt werden, muss meist viel passieren – allerdings nicht immer: Zwischen den beiden verfeindeten Staaten Israel und Iran waren es nur drei Worte, die die zuvor verhassten Völker in wenigen Wochen zusammenführten. "Israel loves Iran", lautete die simple Botschaft, die ein Ehepaar im Internet veröffentlichte.

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Der Stein des Anstoßes: Mit diesem Slogan kam die Kampagne "Israel loves Iran' ins Rollen.

Seitdem vergehen kaum noch Tage, an denen das Telefon von Michal und Ronny Edry still steht. Das israelische Paar lebt in Tel Aviv, wo die beiden eine gemeinsame Grafikschule haben – der Ort, an dem das Foto entstanden ist, das jetzt um die Welt geht. Darauf zu sehen ist Vater Ronny, der seine fünfjährige Tochter auf dem Arm trägt, darunter der Slogan: "Iraner – wir werden euer Land nicht bombardieren – wir lieben euch." Ronny Edry postete das Bild auf Facebook, und konnte sich danach vor Freundschaftsanfragen kaum retten.

"Es ist total verrückt. Wir hatten das nur für unsere Freunde auf Facebook gestellt. Dann hat sich das wie ein Lauffeuer verbreitet ", erzählt er. Der Ansturm war so groß, dass Michal und Ronny Edry die Reaktionen aus der ganzen Welt nicht mehr alleine beantworten konnten. Mit fünf Freunden sitzen die beiden nun zeitweise an mehreren Computern und versuchen, die Nachrichtenflut zu bewältigen. Dabei hilft auch eine separate Facebook-Homepage, die das Ehepaar ins Leben gerufen hat. Mehr als 600.000 Facebook-Nutzer pro Woche besuchen die Internet-Seite, tausende Menschen appellieren hier an beide Länder, die Waffen schweigen zu lassen – auch aus dem 'Feindesland', dem Iran.

In der Islamischen Republik sind mehr als fünf Millionen Internet-Seiten verboten und werden vom Staat offiziell blockiert, dazu zählt auch Facebook. Mit Hilfe von Proxy-Servern im Ausland oder einer Anti-Filter-Software umgehen die Menschen jedoch die Blockade; mehr als 17 Millionen Iraner, die in ihrer Heimat leben, haben einen Facebook-Account. Aus Angst vor Repressalien aus Teheran sind sie allerdings inkognito unterwegs – was sie nicht daran hindert, auf die ungewohnte Botschaft aus Israel zu reagieren.

Durch "diese wundervolle Initiative" seien viele Iraner von ihrer schlechten Meinung über Israel und seine Bürger abgerückt, ist nur eine von tausenden namenlosen Antworten aus dem Iran. Auch dort sage man, "dass die Völker Irans und Israels gegen Krieg und Zerstörung sind". Es dauerte nur wenige Tage, bis ein Nutzer die Facebook-Seite "Iran loves Israel" registrierte. Laut eigenen Angaben stammt er aus Teheran.

"Ihr habt die Mauer zwischen uns niedergerissen"

Im Iran geht seit Monaten die Angst vor einem israelischen Atomangriff um – eine Angst, die Ronny Edry den Menschen mit seiner ersten Botschaft nehmen wollte: "Bevor es zum Krieg kommt, müssen wir uns voreinander fürchten, müssen wir einander hassen. Ich habe keine Angst vor euch, ich hasse euch nicht. Ich kenne euch noch nicht einmal" – letzteres wird sich in den vergangenen Wochen wohl geändert haben.

Die politischen Lager der beiden Länder verbindet vor allem eines: gegenseitiger Hass. Weder der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu noch das iranische Staatsoberhaupt Mahmud Ahmadinedschad haben sich bisher zu der Initiative geäußert. Warum auch, wenn sie der radikalen Politik beider Seiten widerspricht? Stattdessen betonte der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak in dieser Woche, dass ein Angriff seines Landes auf den Iran auch während der laufenden Atomgespräche eine Option sei.

"Ich glaube eigentlich nicht, dass die Kampagne die Politiker umstimmen wird. Aber wer weiß, wie weit die Kampagne noch geht?", fragt Ronny Edry. Er, seine Frau und sechs ehrenamtliche Helfer betreuen mittlerweile auch eine Internet-Seite, auf der Menschen aus aller Welt unzählige Fotos und Videos mit Friedensbotschaften hochgeladen haben. Damit soll aber noch längst nicht Schluss sein: Das israelische Ehepaar träumt davon, ihre Kampagne mit Plakaten auf Bussen und Werbeflächen rund um den Globus zu streuen.

Doch selbst wenn daraus nichts wird, haben Michal und Ronny Edry das geschafft, woran zuvor wohl niemand geglaubt hat: zwei offenbar verfeindete Völker zusammenzuführen. "Wir haben uns solange gehasst, ohne etwas voneinander zu wissen, und wir haben nur das geglaubt, was uns unsere Regierungen gesagt haben", schrieb ein Internet-Nutzer, laut eigenen Angaben aus dem Iran: "Das alles war aber nicht wahr, und ich danke euch dafür, dass ihr mit dieser Seite die Mauer zwischen uns niedergerissen habt."