Islamischer Staat und Al-Kaida: IS laut Verfassungsschutz gefährlicher

Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, sprach beim Europäischen Polizeikongress über die Gefahren des islamistischen Terrors.
Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, sprach beim Europäischen Polizeikongress über die Gefahren des islamistischen Terrors.
© dpa, Bernd von Jutrczenka

26. Februar 2015 - 16:24 Uhr

Direkte Gefahr für Deutschland

Die Ausbreitung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist aus Sicht des Verfassungsschutzes eine weit größere Bedrohung für Deutschland als das ursprüngliche Al-Kaida-Netzwerk.

Al-Kaida unter der Führung von Osama bin Laden sei trotz einiger spektakulärer Terroranschläge "eigentlich nie aus den Höhlen von Waziristan herausgekommen", sagte der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, vor den Teilnehmern des Europäischen Polizeikongresses in Berlin.

Die aktuelle Gefahr durch IS und die Destabilisierung mehrerer Staaten in Nordafrika und Nahost sei für Deutschland dagegen eine direkte große Gefahr. "Wir müssen uns Sorgen machen, dass aus diesen Buschbränden kein Steppenbrand wird, den wir nicht mehr unter Kontrolle bringen können", warnte Maaßen. Zu den aktuellen "Buschbränden" zählte er unter anderem den drohenden Staatszerfall in Libyen und die Folgen des Putsches im Jemen.

Zahl der Dschihad-Rückkehrer steigt auf 200

Die Zahl der aus Syrien und dem Irak nach Deutschland zurückgekehrten Dschihadisten ist auf rund 200 gestiegen. Das berichtete Verfassungsschutz-Präsident Maaßen.

Etwa 70 dieser mutmaßlichen Terroristen stehen seinen Angaben zufolge im Verdacht, an Kriegshandlungen und schweren Straftaten teilgenommen zu haben. Der Nachweis dafür sei für die deutschen Behörden allerdings ebenso schwierig zu leisten wie die Überwachung dieser Verdächtigen. "Eine Rundumbeobachtung ist kaum möglich", betonte Maaßen.

Von den insgesamt rund 600 vorwiegend jungen Menschen, die von Deutschland in das nahöstliche Konfliktgebiet gereist sind, sollen mittlerweile 70 tot sein. Zehn von ihnen sollen als Selbstmordattentäter gestorben sein. Mitte Januar hatte das Bundesinnenministerium noch von 150 bis 180 "Dschihad-Rückkehrern" gesprochen.