Opfer oder Täterin?

ISIS-Rückkehrerin vor Gericht: Sie bekam zwei Kinder von IS-Kämpfer

10. Juli 2020 - 16:55 Uhr

Für den Glauben in den Krieg

Elina F. hat sich freiwillig in eines der schlimmsten Kriegsgebiete weltweit gewagt: Sie reist Ende 2013 nach Syrien ein, um dort nicht nur einen IS-Kämpfer zu heiraten – sie soll auch selbst AnhängerInnen für den fundamentalistischen Glaubenskampf angeworben haben. Jetzt muss sie sich dafür vor Gericht in Hamburg verantworten. Wie es ihr beim Islamischen Staat erging und wie dramatisch ihre Flucht war, sehen Sie im Video.

Elina F. lässt ihre Familie zurück – und gründet eine neue in Syrien

Wie sich Elina F. radikalisiert hat, ist wohl auch eine Frage, die sich ihre Mutter Ludmilla F. oft gestellt hat. Denn sie sieht Elina nach der Ausreise acht Jahre lang nicht wieder. Elina F. folgt ihrem damaligen Ehemann in das Kriegsgebiet, dieser schließt sich dort der Terrororganisation Islamischer Staat an. Nach seinem Tod heiratet die junge Frau erneut einen IS-Kämpfer, bekommt zwei Kinder.

Als die Situation vor Ort sich immer mehr zuspitzt, erhält Ludmilla F. Lebenszeichen via SMS von ihrem Kind, wie sie uns im Januar berichtet: "Sie hat immer kurze Nachrichten geschickt, Mama hilf mir, hilf mir  (…)" Ludmilla F. sagt damals, ihre Tochter bereue inzwischen, sich dem islamischen Staat angeschlossen zu haben. Elina F. flüchtet schließlich mit ihren beiden Kindern in die Türkei. Dort wird sie als Terrorverdächtige festgenommen und nach Deutschland abgeschoben. Im Januar 2020 landet sie mit ihren Kindern in Hamburg, wird dort festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt hat Ludmilla F. ihre Enkel noch nie gesehen. Auch ihre Tochter darf sie nicht in die Arme schließen.

ISIS-Rückkehrerin: Täterin oder Opfer?

Die heute 30-Jährige muss sich unter anderem wegen des Vorwurfs der Mitgliedschaft einer terroristischen Vereinigung im Ausland verantworten. Sie soll zudem aktiv für den Lebensstil und den Anschluss an den IS geworben haben. Das Gericht will nun prüfen, ob Elina F. wirklich nur Täterin oder auch Opfer einer religiösen Radikalisierung geworden ist.