Staatsanwaltschaft Innsbruck nimmt Ermittlungen auf

Schlimmer Verdacht in Ischgl: Wurde der erste Corona-Fall vertuscht?

26. März 2020 - 15:51 Uhr

Coronavirus-Infektionsherd Ischgl?

Tanzen in der Menge, Biergläser, die von Hand zu Hand gehen, Sektflaschen, die geteilt werden: Viele Urlauber haben sich im österreichischen Après-Ski-Ort Ischgl mit dem Coronavirus angesteckt und das Virus anschließend in ihre Heimatländer getragen. Vieles spricht dafür, dass man das Problem dort früher hätte erkennen müssen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck erste Ermittlungen zur Ausbreitung des Virus im beliebten Wintersportort aufgenommen.

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Verdacht: Erster Corona-Fall soll nicht gemeldet worden sein

Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass ein Gastronomiebetrieb Ende Februar einen positiven Test einer Mitarbeiterin nicht den Gesundheitsbehörden gemeldet habe. Das Land Tirol hatte der Staatsanwaltschaft eine Anfrage des ZDF mit dem entsprechenden Verdacht weitergeleitet. "Es ist unbekannt, um welchen Betrieb es sich dabei handeln soll und ob tatsächlich Meldepflichten verletzt wurden", teilte die Staatsanwaltschaft mit. Daher werde nun ermittelt. 

RTL-Reporter nach Ischgl-Urlaub mit Corona infiziert

Auch RTL-Reporter Christof Lang infizierte sich im Skiurlaub in Ischgl mit dem Coronavirus. In nur drei Tagen steckten er und seine fünf Freunde sich mit Covid-19 an. Bereits nach seiner Rückkehr nach Deutschland beschrieb Christof Lang eine "Wegschau-Mentalität in Ischgl und Umgebung". Lange sahen Österreichs Behörden von einer Warnung ab, die dem Bombengeschäft in Ischgl wohl einen schweren Dämpfer versetzt hätte.

Angestellte vor Ort berichteten RTL zudem vertraulich, es habe seit Wochen schon Erkrankte gegeben, bei denen ein Corona-Verdacht nahe gelegen habe: "Zwischendurch haben 50 Prozent gehustet und gerotzt". Doch niemand sei an Tests interessiert gewesen – nicht mal die Angestellten selbst.

Scharfe Kritik am Vorgehen der Behörden

Das Land Tirol und die Tourismusbranche vor Ort waren in den vergangenen Tagen scharf kritisiert worden, weil der Skitourismus mit seinen Après-Ski-Partys die internationale Ausbreitung des Coronavirus verstärkt haben könnte. Den Behörden wird außerdem vorgeworfen, den Skibetrieb nicht schnell genug gestoppt zu haben.

Als am 13. März über Ischgl und weitere Orte eine Quarantäne verhängt wurde, kam es zudem zu chaotischen Zuständen bei der fluchtartigen Abreise zahlreicher Gäste. Auch dafür hagelte es Kritik. Erst am 15. März fand die Skisaison dann ihr vorzeitiges Ende. 

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