IS-Terroristen radikalisieren Kinder - auch in Deutschland: Wie kann das verhindert werden?

20. Dezember 2016 - 8:18 Uhr

"Wir haben Kinder davor bewahrt, sich in tickende Zeitbomben zu verwandeln"

Ein Zwölfjähriger soll versucht haben, einen Sprengsatz auf dem Ludwigshafener Weihnachtsmarkt zu zünden. Experten sind vom Alter wenig überrascht. Nur: Ist Deutschland darauf vorbereitet? Ein Kind, das Bomben legt oder sich selbst und andere in die Luft sprengt. In manchen Ländern - Syrien, Irak oder Nigeria - ist das schon längst erschütternde Realität. Terrorgruppen radikalisieren und instrumentalisieren schon die ganz Kleinen. Auch Kinder aus Europa werden in die Kampfgebiete gelockt. Im Westen zerbrechen sich Experten die Köpfe, wie das verhindert werden kann.

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RTL-Reporter Rick Noack bei einem Fußballclub, der vormacht, wie es im Kampf gegen IS-Rekrutierung von Kindern gehen kann.

Ein kleiner Fussball-Verein in Großbritannien macht es vor: Unser Reporter Rick Noack war da, wo Religion, Hautfarbe und Nationalität überhaupt keine Rolle spielen. Dort, in Westlondon, beantwortet man die Frage, ob Kinder vor den Fängen der Terroristen beschützt werden können, mit einem klaren Ja. "Wir haben in den letzten Monaten 33 Kinder bewahrt: nicht nur davor nach Syrien zu gehen, sondern auch davor, sich hier in England in tickende Zeitbomben zu verwandeln. Es ist erschreckend", sagt Clubboss Dr. Shamender Talwar.

Inzwischen interessieren sich Regierungen und Geheimdienste weltweit für seinen Club. Auch weil der IS bislang erfolgreicher war als fast alle Regierungsprogramme, die die Radikalisierung junger Menschen verhindern sollten.

So wie den vierjährigen Isa Dare, zu sehen in einem Video Anfang des Jahres. Seine zum Islam konvertierte Mutter schmuggelte ihn aus England nach Syrien. Mit einer Fernbedienung sprengte der Junge dort angeblich drei Geiseln in die Luft. Bilder, auf die im Internet auch der 13-jährige Muad Hussein stoßen könnte. Doch nach einem Jahr im Fußballclub sei er besser gewappnet, sagen seine Trainer.

"Religion macht keinen Unterschied"

Das Konzept des Fußballclubs ist einfach, aber nicht selbstverständlich: Muslime, Christen und Hindus spielen gemeinsam miteinander. Die geringen Mitgliedschaftsbeiträge ziehen die Kinder an, doch die neuen Freunde motivieren sie zu bleiben - im Club, aber im Ernstfall auch in England.

Teammitglied Muad sagt: "Religion macht keinen Unterschied. Wir spielen hier als ein Team vieler Glaubensrichtungen. Ein starkes Team." Es ist ein Team, das zum Vorbild werden könnte.