IS-Terroranschlag auf Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray: 84-jähriger Priester getötet

29. Juli 2016 - 11:54 Uhr

Täter sollen Mord an Priester gefilmt haben

Keine zwei Wochen nach dem Blutbad von Nizza hat ein tödlicher Anschlag auf eine Kirche Frankreich aufs Neue erschüttert. Zwei IS-Terroristen drangen in eine katholische Kirche in der Nähe von Rouen ein und nahmen fünf Geiseln. Sie töteten einen 84 Jahre alten Priester und verletzten einen weiteren Menschen schwer. Die mutmaßlichen Täter wurden von der Polizei erschossen.

Hollande am Tatort
Präsident Hollande spricht von einem IS-Terroranschlag
© REUTERS, PASCAL ROSSIGNOL

Es sei eine Hinrichtung gewesen, berichtet eine Augenzeugin nach dem brutalen Mord an dem Priester in Saint-Etienne-du-Rouvray. "Sie haben ihn auf die Knie gezwungen", sagte die Nonne dem Sender RMC. "Er hat versucht, sich zu verteidigen, und dann hat das Drama begonnen." Die Täter sollen die Szene gefilmt haben. "Sie haben am Altar so etwas wie eine Predigt auf Arabisch gehalten. Es war ein Horror", sagte die Frau. Sie habe unbemerkt fliehen und die Polizei alarmieren können.

Steinmeier: Wir werden unsere Freiheit nicht aufgeben

Die Terrormiliz IS reklamierte den Angriff auf das katholische Gotteshaus für sich, wie das IS-Sprachrohr Amak mitteilte. Zuvor hatte bereits Präsident François Hollande von einem "schändlichen Terroranschlag" des IS gesprochen. Hollande sagte, der IS habe den Krieg erklärt. "Wir werden diesen Krieg mit allen Mitteln führen."

Nach Medienberichten war einer der beiden Angreifer den Sicherheitsbehörden offenbar bekannt. Der Mann ist in einer Datenbank als Extremist erfasst, heißt es. Er habe demnach im Vorjahr versucht, nach Syrien zu reisen. Bei seiner Rückkehr nach Frankreich wurde dem Bericht zufolge ein Anklageverfahren gegen ihn eröffnet, unter anderem wegen des Verdachts auf Verbindungen zu einer Terrororganisation. Der Mann kam vorübergehend in Haft und wurde später mit einer elektronischen Fußfessel wieder freigelassen. Berichten zufolge soll inzwischen ein weiterer Mann in Polizeigewahrsam genommen worden sein. Nähere Informationen zu dem Mann seien jedoch nicht bekannt.

Politiker wie Geistliche verurteilten den Angriff auf ein Gotteshaus und Gläubige scharf. "Ich schreie zu Gott", sagte der Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun. Frankreichs Premierminister Manuel Valls verurteilte eine "barbarische Attacke". "Ganz Frankreich und alle Katholiken sind verletzt worden. Wir stehen zusammen", schrieb er auf Twitter. Papst Franziskus verurteilte die Geiselnahme als "sinnlose Gewalt". Außenminister Frank-Walter Steinmeier sagte: "Der fanatische Hass macht jetzt noch nicht einmal Halt vor Gotteshäusern und Gläubigen". Deutschland bleibe entschlossen, gemeinsam mit seinen Partnern dem Terrorismus die Stirn zu bieten. "Wir werden unsere Werte, unsere Freiheit und unsere Art zu leben, nicht aufgeben."