IS bekennt sich zu dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt

20. Dezember 2016 - 5:38 Uhr

Der Täter läuft noch immer frei herum

Nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz hat sich die Terrormiliz 'Islamischer Staat' zu der Tat bekannt. Ein IS-Kämpfer sei für den Angriff verantwortlich, meldeten die Terroristen im Internet. "Diese angebliche Bekennung des sogenannten Islamischen Staates - das ist ja in Wahrheit eine Terrorbande - haben wir gerade erst bekommen", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Der CDU-Politiker mahnte, dass man nun die Ermittler in Ruhe ihre Arbeit machen lassen müsse.

Ein Pakistaner wurde verhaftet

Ein Lastwagen raste am Montagabend in die Menschenmenge vor der Gedächtniskirche. Dabei wurden nach Polizeiangaben 48 Besucher teils schwer verletzt, zwölf Menschen getötet. Ein Verdächtiger aus Pakistan wurde kurz nach dem Anschlag festgenommen. Der Mann ist aber offenbar nicht der gesuchte Täter. Er wurde wieder freigelassen. Kriminaltechnische Untersuchungen hätten keinen Beweis geliefert, dass der Mann im Führerhaus des Lastwagens gewesen sei. Wer für den Anschlag verantwortlich ist, ist völlig unklar.

Mittlerweile haben sich Polizei und Senat offiziell zu dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt geäußert. Demnach ging die erste Meldung der Tat um 20.04 Uhr ein, die Alarmierung der Feuerwehr lief zunächst unter dem Stichwort "Verkehrsunfall mit schwerer Verletzung". Nur wenige Minuten nach Eingang des Notrufs waren erste Rettungskräfte vor Ort. Nach Angaben des Berliner Polizeipräsidenten waren am Tatabend insgesamt 550 Beamte im Einsatz. Der Breitscheidplatz bleibt vorerst gesperrt.

Kleiner Hoffnungsschimmer: Offiziellen Angaben zufolge konnten bereits 24 Verletzte das Krankenhaus wieder verlassen. Wer die Todesopfer sind, ist noch nicht endgültig geklärt. Fest steht nur, dass der polnische Beifahrer in dem LKW ums Leben kam. Sech weiter Opfer, die aus Deutschland stammen, konnten ebenfalls identifiziert werden. Fünf Opfer konnten noch nicht identifiziert werden. Das sei zum Teil sehr kompliziert, sagte Maizière. 14 Menschen schweben noch immer in Lebensgefahr.

Außerdem wird eine italienische Frau vermisst. Das Handy der Italienierin wurde auf dem Breitscheidplatz gefunden. Ihre Familie wurde noch in der Nacht informiert. Gewissheit soll nun noch ein DNA-Test bringen. Die 31-Jährige aus Sulmona in den Abruzzen lebte seit 2013 in Deutschland. Sie wollte am Donnerstag zu ihrer Familie nach Italien fliegen, um dort die Feiertage zu verbringen. 

Auch eine Israelin wird vermisst. Sie war am Abend des Anschlags mit ihrem Mann auf dem Weihnachtsmarkt. Er überlebte schwer verletzt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, er fürchte um das Leben der Frau.

Sicherheitskonzept für Silvester muss überarbeitet werden

Fest hingegen steht bereits, dass der Anschlag Auswirkungen auf das Sicherheitskonzept für die Silvesterfeier in Berlin haben wird. "Wir werden das Sicherheitskonzept für die Berliner Silvesterfeier nochmal stark überarbeiten", sagte Innensenator Andreas Geisel.

Und auch außerhalb von Berlin soll die Polizeipräsenz im gesamten Bundesgebiet erhöht werden - eine Aussetzung der Weihnachtsmärkte wurde jedoch ausgeschlossen. Einzig am Tag nach dem Anschlag sollen die rund 60 Weihnachtsmärkte im Berliner Stadtbereich geschlossen bleiben.

Das BKA warnt zudem nach wie vor vor einer hohen Gefahrenlage für Deutschland. Denn die habe sich nach dem Anschlag nicht geändert.

Polnischer Kraftfahrer ist Opfer und nicht Täter

Unter den Toten befindet sich auch der Beifahrer des Lastwagens - er wurde wohl erschossen. Bei dem Mann handelt es sich um einen polnischen Staatsbürger. Der Kraftfahrer Lukasz U. sei Opfer und nicht Täter, teilte Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) nach einer Telefonkonferenz der Innenminister der Länder mit. Generalbundesanwalt Peter Frank übernahm den Fall. Der Fahrer des Lkw flüchtete. Einem Polizeisprecher zufolge wurde am Großen Stern kurze Zeit später ein Verdächtiger festgenommen.

Nach Aussage des polnischen Spediteurs Ariel Zurawski, dem der Lastwagen gehört, gab es seit 16.00 Uhr keinen Kontakt mehr zu dem Fahrer, seinem Cousin. Seither sei dieser nicht ans Telefon gegangen, sagte er dem Sender TVN 24. Der Lkw habe am Dienstag in Berlin entladen werden sollen. Er gehe davon aus, dass das Fahrzeug entwendet worden sei. Der Polizei zufolge befanden sich auf der Ladefläche Stahlträger. Es bestehe der Verdacht, dass der Lkw in Polen von einer Baustelle gestohlen worden sei.

Die Polizei bestätigte inzwischen via Twitter, dass der Lkw mit Absicht in die Menschenmenge gefahren sei.

Bundespräsident Gauck: "Dieser Anschlag gilt uns allen“

Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete den Anschlag derweilen als grausame und unbegreifliche Tat. Die Täter werden bestraft, "so hart es unsere Gesetze verlangen". Sie hat den Anschlagsort gemeinsam mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Bundesinnenminister Thomas de Maizière bereits besucht.

Und auch Bundespräsident Joachim Gauck verurteilte die Tat. "Dieser Anschlag gilt uns allen", sagte er. "Es war ein Angriff auf unsere Mitte, auf unsere Art zu leben". Doch dem Hass zu Trotz rief der Bundespräsident dazu auf: "Unser Zusammenhalt wird nicht schwächer, er wird stärker, wenn wir angegriffen werden!"

BKA bittet um Mithilfe

Das BKA fordert die Bürger derweil dazu auf, sachdienliche Hinweise zum Anschlag auf einem eigens dafür eingerichteten Online-Portal mit den Ermittlern zu teilen. Multimediale Hinweise in Form von Bild oder Video können den Beamten auf bka-hinweisportal.de zur Verfügung gestellt werden.