Irrer Handel

In Facebook-Gruppen werden Knochen und Schädel verkauft

Auf Facebook gibt es Gruppen, in denen mit menschlichen Überresten gehandelt wird.
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10. Juli 2020 - 13:11 Uhr

In Gruppen wird mit menschlichen Überresten gehandelt

Diese Geschichte klingt absurd – Menschliche Knochen zum Verkauf bei Facebook. Doch ein kurzer Suchlauf im Internet bestätigt tatsächlich: In dem sozialen Netzwerk gibt es Gruppen, in denen mit menschlichen Überresten gehandelt wird. Wie das Geschäft vonstatten geht, will jetzt ein Reporter undercover recherchiert haben.

Sogar mumifizierte Kinder wurden verkauft

Wie "Lifescience.com" berichtet, habe sich ein Reporter in eine der geschlossenen Facebook-Gruppen eingeschlichen und sich als Schädel-Liebhaber ausgegeben. Auf der Plattform sei unter anderem ein Schädel aufgetaucht, der aus den Sousse-Katakomben in Tunesien stammen sollte. Der Sammler stellte den Schädel für 550 US-Dollar in einer privaten Facebook-Gruppe zum Verkauf.

Andere Gruppenmitglieder sollen von dem Schädel begeistert gewesen sein und von seiner "Schönheit" geschwärmt haben.

Doch so viele Informationen wie zu besagtem Schädel habe es nicht immer gegeben. Oft wurden Überreste einfach so ge- und verkauft, heißt es. Besonders beliebt seien unter den Käufern mumifizierte Kinder gewesen. Eines soll für 11.000 Euro zum Verkauf gestanden haben.

Überreste zu Hause zu lagern ist "illegal und unmoralisch"

Sucht man im Netz nach Gruppen, in denen mit menschlichen Überresten gehandelt wird, wird man schnell fündig.
Sucht man im Netz nach Gruppen, in denen mit menschlichen Überresten gehandelt wird, wird man schnell fündig.
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Einige der Verkäufer behaupteten, sie hätten ihre Knochen von medizinischen Hochschulen erhalten. Aber selbst wenn diese Behauptungen wahr wären, verkaufen dürfte man sie trotzdem nicht, denn: es "gibt es keine Ausnahmen für menschliche Überreste, selbst wenn dokumentiert ist, dass sie aus der Sammlung einer medizinischen Fakultät oder eines Museums stammen", sagte Tanya Marsh, Friedhofsexpertin für Bestattungsrecht, gegenüber "Lifescience.com".

Weiterer Kritikpunkt: Der Verkauf von Überresten sporne einige Menschen dazu an, Knochen aus Gräbern zu stehlen – das ist illegal. "Die Überreste eines Menschen zu Hause aufzubewahren ist illegal und unmoralisch", werden Ryan Seidemann und Christine Halling zitiert – beide arbeiten in dem Büro des Generalstaatsanwalts von Louisiana in der Zivilabteilung für natürliche Ressourcen mit dem Schwerpunkt Archäologie.