Irische Frauen im Kampf gegen das Abtreibungsgesetz: "Warten, bis das Baby stirbt"

25. Mai 2018 - 15:31 Uhr

Irland stimmt ab

Sie leben in einem Land mit den härtesten Abtreibungsgesetzen der Welt. Ob sie ihr Kind zur Welt bringen möchten oder nicht - das dürfen irische Frauen nicht selber entscheiden. Wer vergewaltigt wurde, oder wessen Ungeborenes so schwere Fehlbildungen hat, dass es die Geburt sowieso nicht überleben würde, ist in Irland auf sich allein gestellt. Teilweise mit grausamen Folgen.

Nur noch wenige Stunden bis zur Entscheidung

23.05.2018, Irland, Dublin: Charlotte Van Maren und ihre neun Monate alte Tochter Charmaine kämpfen mit weiteren Frauen gegen die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Die Iren stimmen am 25. Mai über die Legalisierung von Schwangerschaftsabbr
Im katholisch geprägten Irland gilt eines der strengsten Verbote von Schwangerschaftsabbrüchen in der Europäischen Union. Wer gegen das Verbot verstößt, kann mit bis zu 14 Jahren Gefängnis bestraft werden.
© dpa, Niall Carson, afn nwi

Als Amy Callahan schwanger wird, fühlt sie sich gut. Sie und ihr Mann Connor werden endlich Eltern - es ist ein absolutes Wunschkind. Heute wird Amy trotzdem ihr 'Yes' abgeben - sie sagt 'Ja' zum Abtreiben. Sie will nicht, dass Frauen während der Schwangerschaft das durchmachen müssen, was sie erlebt hat.

Am heutigen Freitag stimmt Irland darüber ab, ob Frauen in Irland abtreiben dürfen oder nicht. Durch das Referendum soll dem Parlament die Möglichkeit gegeben werden, Abtreibungen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche zu legalisieren. Bislang dürfen Irinnen nicht, Frauen müssen auch nicht überlebensfähige Kinder gebären. Eine psychische Tortur für sie. Genau deswegen reisen irische Frauen ins Ausland. 

Amys schwierige Entscheidung

24.05.2018, Irland, Dublin: Eine Passantin geht an einem Schaufenster im Stadtteil Temple Bar vorbei, in dem dafür geworben wird, beim Referendum für die Abschaffung des Verfassungszusatzes zum Abtreibungsverbot zu stimmen. Am 25. Mai findet in Irlan
In Meinungsumfragen lagen die Befürworter einer Gesetzeslockerung zuletzt vorne. Zehntausende im Ausland lebender Iren sollen Berichten zufolge für das Referendum in ihre Heimat gereist sein.
© dpa, Karl Burke, cul

Mittlerweile ist ein regelrechter ein Abtreibungstourismus entstanden: Frauen fahren nach England, um dort abzutreiben. Eine von ihnen ist Amy Callahan.

Nach dem Babyglück folgt bei ihr nämlich die Schock-Diagnose: Ihr Ungeborenes hat Anenzephalie - Teile von Kopf und Gehirn fehlen und werden nie wachsen. Die Ärzte sind sich sicher: Das Kind würde entweder im Mutterleib oder spätestens bei der Geburt sterben.

Amys schwierige Entscheidung, die psychischen Qualen und die Hoffnung auf ein neues Irland - in unserem Video.