Todesurteil gegen Ringer (29)

Weiterer iranischer Sportler soll hingerichtet werden

Ringer Mehdi Ali Hosseini (29) wird vorgeworfen, 2015 im Streit einen Jugendlichen getötet zu haben.
Ringer Mehdi Ali Hosseini (29) wird vorgeworfen, 2015 im Streit einen Jugendlichen getötet zu haben.
© Youtube

13. Januar 2021 - 14:46 Uhr

Mehdi Ali Hosseini droht im Iran die Hinrichtung

Alle Proteste scheinen nicht zu helfen: Im Iran soll erneut ein Sportler hingerichtet werden. Dem 29-jährigen Ringer Mehdi Ali Hosseini wird vorgeworfen, 2015 im Streit einen Jugendlichen getötet zu haben. Erst im September letzten Jahres war im Iran Ringer Navid Afkari (27) hingerichtet worden.

Tödlicher Streit während Schlägerei

Zu dem tödlichen Streit soll es laut Deutschlandfunk während einer größeren Schlägerei gekommen sein, in die Hosseini verwickelt war. Wie die Auseinandersetzung entstand und wer das Opfer war, ist demnach nicht bekannt. Auch nicht, wo der Sportler im Gefängnis sitzt und wann genau das Todesurteil vollstreckt werden soll.

Nur Familie des Opfers kann den Ringer begnadigen

Dass Hosseini stirbt, kann offenbar nur die Familie des Opfers verhindern. Diese hatte nach Angaben der "Kronen-Zeitung" entschieden, dass der Sportler erhängt wird: auf Grundlage des Talionsgesetzes, das dem Prinzip "Auge um Auge, Zahn um Zahn" folgt. Um Hosseini zu retten, müsste die Familie ihm doch noch vergeben.

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Sportler protestieren gegen geplante Hinrichtung des Sportlers

Mehrere Stars und Organisationen setzten sich für Hosseini ein, darunter der Ringer-Olympiasieger von London 2012, Hamid Soryan. Der frühere amerikanischer Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Ben Askren twitterte: "Das ist Wahnsinn, schon der zweite Wrestler innerhalb eines Jahres, der vom autoritären Regime hingerichtet werden soll!"

IOC hält sich zurück

Laut "Jerusalem Post" hat sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) zur Kritik von Offiziellen aus Großbritannien und den USA am Schweigen der mächtigen Sportorganisation geäußert. Man habe erst am 9. Januar Kenntnis von dem Fall erlangt und sammele noch Informationen. Von der iranischen Wrestling Federation habe man erfahren, dass Mehdi Ali Hosseini ein Wrestler auf regionaler Ebene sei, der nicht an nationalen oder internationalen Wettbewerben teilgenommen habe. Ohne ein klares Bild von der Situation zu haben, wolle das IOC die Situation nicht kommentieren.

Erinnerung an Hinrichtung von Navid Afkari

Navid Afkari
Navid Afkari wurde im September 2019 hingerichtet.
© Twitter/Michael Parsa

Der Fall erinnert an die Hinrichtung des iranischen Ringers Navid Afkari, die international für Entrüstung sorgte. Der 27-Jährige soll bei einer Demonstration im Sommer 2018 gegen die wirtschaftliche und politische Lage im Land einen Beamten erstochen haben, berichtet der Deutschlandfunk. Zwar gestand er die Tat im Fernsehen, war nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen aber unter Folter dazu gezwungen worden.

Bundestagsabgeordnete warfen dem Iran massive Menschenrechtsverletzungen vor, die USA verhängten Sanktionen gegen den Richter des Todesurteils. Das IOC soll zwar ein Gnadengesuch eingereicht haben, lehnte es aber ab, den Iran von Olympischen Spielen auszuschließen. Aus Rücksicht auf die anderen Sportler des Landes, hieß es.