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Iranische Atombombe: Netanjahu übertrieb bei seiner Warnung

Iranische Atombombe: Netanjahu übertrieb bei seiner Warnung

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UN-Vollversammlung zur iranischen Atombombe
Benjamin Netanjahu warnte die UN-Vollversammlung angeblich eindringlicher vor der Gefahr einer iranischen Atombombe als es ihm die Informationen seines Geheimdienstes nahe legten.
dpa, Sven Hoppe

Mossad soll Gefahr deutlich geringer eingeschätzt haben

Mit der Warnung vor einer iranischen Atombombe hat Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Berichten zufolge Informationen seines eigenen Geheimdienstes stark zugespitzt. Der Mossad sei damals zu dem Schluss gekommen, dass der Iran "derzeit nicht die Aktivitäten ausführe, die zum Waffenbau notwendig sind", berichtete der britische 'Guardian'.

Dies gehe aus geheimen Dokumenten hervor, die an den TV-Sender Al-Dschasira weitergegeben worden seien und der Zeitung vorlägen. Hochrangige israelische Regierungskreise widersprachen dem Bericht. Die durchgestochenen Dokumente belegten, dass der Iran den Reaktorbau und die Uran-Anreicherung vorangetrieben habe und somit schneller in der Lage sein werde, eine Atombombe zu bauen.

Netanjahu hatte im September 2012 vor der UN-Vollversammlung in New York gesagt, der Iran werde spätestens im Folgejahr mit der letzten zum Waffenbau notwendigen Stufe der Uran-Anreicherung beginnen. Dazu hatte Netanjahu eine cartoonartige Zeichnung einer Bombe hochgehalten.

Der Streit um den militärischen oder zivilen Charakter des iranischen Atomprogramms schwelt seit zwölf Jahren. Bis Ende März soll bei Verhandlungen in Genf eine politische Einigung gefunden werden; bis Juli soll eine umfassende Lösung erreicht sein.