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Iran verweigert Atom-Experten der IAEA den Zugang

Iran verweigert Atom-Experten der IAEA den Zugang

"Nichts kann die Atomarbeit Irans aufhalten"

Mit leeren Händen verließen die Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA den Iran – und das gleich zum zweiten innerhalb eines Monats. Das iranische Regime um Präsident Mahmud Ahmadinedschad führt nicht nur die Atombehörde, sondern die ganze Weltgemeinschaft nach Strich und Faden vor. Erneut verweigerte Teheran den IAEA-Experten Zutritt zu einer verdächtigen Militäranlage und heizt damit den Konflikt um das umstrittene Atomprogramm weiter an.

IAEA-Chef Amano enttschäuscht über Entwicklungen im Atomstreit mit dem Iran.
IAEA-Chef Amano ist enttäuscht - der Iran hat dem Experten-Team den Zugang zu einer verdächtigen Militäranlage verweigert
REUTERS, TOMAS BRAVO

Das Inspektorenteam wollte eine Militäranlage südöstlich von Teheran begutachten – vergeblich. Auch auf ein Papier, in dem es um eine mögliche militärische Dimension des iranischen Atomprogramms gehen sollte, habe man sich bei einem zweitägigen Besuch des Inspektorenteams nicht mit der Führung in Teheran verständigen können, teilte die IAEA (International Atomic Energy Agency) in der Nacht im Internet mit. Der Besuch ging damit ohne greifbares Ergebnis zu Ende.

Das Atomprogramm des Iran lasse sich nach den Worten des geistlichen Führers des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, durch nichts und niemanden aufhalten. "Nichts, und keine Hürde, kann die Atomarbeit des Irans aufhalten und sie sollte entschieden und ernsthaft vorangetrieben werden, trotz des Wirbels des Westens", sagte Chamenei bei einem Treffen mit Vertretern der iranischen Atombehörde.

Er betonte gleichzeitig, dass der Iran nicht an Atomwaffen interessiert sei. Ein Atomwaffenprogramm sei "gegen unseren Glauben ... wir betrachten Atomwaffen als eine große Sünde", fügte das geistliche Oberhaupt des Iran hinzu. Die internationale Gemeinschaft wisse dies, so Chamenei.

IAEA-Chef Yukiya Amano äußerte sich enttäuscht: "Wir sind in einer konstruktiven Haltung herangegangen, aber es wurde keine Einigung erzielt." Es war bereits der zweite Besuch des IAEA-Teams unter Leitung von Chefinspektor Herman Nackaerts binnen eines Monats. Sowohl beim ersten als auch beim zweiten Mal habe das Team Zugang zu dem Militärgelände in Parchin erbeten. "Leider konnten wir über keinen einzigen unserer Ansätze Übereinstimmung erzielen", erklärte Nackaerts bei seiner Rückkehr in Wien.

Simuliert Iran Tests mit nuklearen Sprengköpfen?

In Parchin sollen möglicherweise Tests mit nuklearen Raketensprengköpfen simuliert worden seien. In der weitläufigen Militäranlage soll sich ein verdächtiger Metallbehälter befinden, in dem laut einem IAEA-Bericht solche Tests durchgeführt worden sein könnten.

Außerdem habe es bei dem Besuch intensive Bemühungen gegeben, ein Dokument zu erarbeiten, das die Aufklärung von Fragen im Zusammenhang mit Irans Atomprogramm und insbesondere dessen möglicher militärischer Dimension erleichtert hätte. "Leider wurde über dieses Dokument keine Einigung erzielt", heißt es in der IAEA-Erklärung.

Das Expertenteam sollte in Teheran Möglichkeiten für eine diplomatische Lösung des Atomstreits ausloten und Zusagen für künftige Treffen und konkrete Überprüfungen einholen.

Außenminister Guido Westerwelle ist nach dem erfolglosen Besuch der Atom-Inspektoren im Iran für noch mehr wirtschaftlichen Druck. Der FDP-Politiker appellierte an andere Staaten, sich den bereits beschlossenen Sanktionen der Europäischen Union (EU) gegen den Iran anzuschließen. Zugleich forderte er die Führung in Teheran auf, ihren "unverantwortlichen Kurs" der Nicht-Zusammenarbeit aufzugeben.

"Es ist sehr bedauerlich und schädlich, dass die IAEA-Inspektoren unverrichteter Dinge und ohne Ergebnis abreisen mussten", erklärte Westerwelle in Berlin. "Die Verweigerung des Zugangs zu Atom-Installationen ist ein weiterer Verstoß Irans gegenüber der IAEA und der internationalen Staatengemeinschaft."

Der Westen verdächtigt die iranische Regierung, unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Kernenergie ein Atomwaffenprogramm zu betreiben, und hat umfangreiche Sanktionen gegen das Land verhängt. Teheran bestreitet die Vorwürfe und lehnt auch die Forderung nach einem sofortigen Stopp der Urananreicherung strikt ab.