RTL News>News>

Iran: Militär-Manöver zum Schutz der Atom-Anlagen

Iran: Militär-Manöver zum Schutz der Atom-Anlagen

Iran: Militär-Manöver zum Schutz der Atom-Anlagen
Mahmud Ahmadinedschad mit Experten in iranischer Atomanlage
dpa, Abaca 149198

Teheran provoziert weiter

Der Iran lässt sich nicht einschüchtern: Kurz vor der Parlamentswahl dreht die Führung in Teheran Frankreich und Großbritannien als Antwort auf die westlichen Sanktionen das Öl ab. Es seien "andere Abnehmer" gefunden worden, hieß es dazu lapidar aus dem Erdöl-Ministerium in Teheran.

Im Atomstreit demonstriert der Iran Stärke und provoziert weiter: Die Führung in Teheran will nach Angaben von Diplomaten Zentrifugen moderner Bauart einsetzen, um die Urananreicherung zu beschleunigen.

Israel sieht in dem möglichen Atombombenprogramm des Irans die größte Bedrohung für seine Existenz und hat auch einen militärischen Angriff nicht ausgeschlossen. Angesichts dieser Angriffsdrohungen haben die iranischen Streitkräfte ein viertägiges Manöver zur Verteidigung von Atomanlagen begonnen. Die Übungen würden im Süden des Landes abgehalten und sollten das Militär auf mögliche Angriffe vorbereiten, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Irna. Angaben über die Art der eingesetzten Waffen und die Zahl der beteiligten Soldaten wurden nicht gemacht.

Der Iran wird verdächtigt, unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms Kernwaffen zu entwickeln. Die Führung in Teheran hat wiederholt mit massiven Vergeltungsangriffen gedroht, sollten die Israelis die Atomanlagen angreifen. Die iranischen Raketen könnten jeden Winkel Israels erreichen, hieß es. Außerdem müsste Israel mit Raketenbeschuss durch die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Südlibanon sowie durch die radikal-islamische Hamas aus dem Gazastreifen rechnen.

Atom-Experten besuchen erneut Iran

Im Atomkonflikt mit dem Iran unternimmt die Internationale Atomenergiebehörde IAEA einen neuen Anlauf für eine diplomatische Lösung. Nur drei Wochen nach dem letzten Besuch will ein hochrangiges Expertenteam in Teheran Auskunft über das umstrittene iranische Atomprogramm erhalten.

Die IAEA-Experten unter Leitung von Chefinspektor Herman Nackaerts wollen von den Vertretern der iranischen Atomorganisation und des Sicherheitsrats der Regierung vor allem Zusagen für künftige Treffen und Überprüfungen erhalten. Dabei geht es um Zugang zu Dokumenten, Wissenschaftlern und verdächtigen Anlagen wie Parchin südöstlich von Teheran. In der weitläufigen Militärzone soll jener Metallbehälter stehen, in dem möglicherweise Versuche mit nuklearen Raketensprengköpfen simuliert wurden.

Die Spezialisten wollen überprüfen, ob diese Tests dort tatsächlich durchgeführt wurden. "Das wäre eine aussagekräftige Erkenntnis", erklärte der Diplomat. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa hat der Iran beim letzten Treffen eine solche Zusage verweigert. Der Iran hat zwar bestimmte Standorte wie eine Anreicherungsanlage in Fordo südlich von Teheran oder eine Fabrik in Natans im Zentraliran deklariert und der IAEA zugänglich gemacht. Die Behörde vermutet jedoch noch weitere geheime Anlagen.

Nach Angaben aus informierten Kreisen will der Iran Informationen über die jüngsten Nuklearprojekte vorlegen. Dazu gehört die Anreicherung von fast 100 Kilogramm Uran auf 20 Prozent - was für die Entwicklung von Atomwaffen nicht ausreicht. Außerdem geht es um die Inbetriebnahme neuer Zentrifugen in Natans und in Fordo. Zudem wolle der Iran die IAEA darüber informieren, dass das Land nun in der Lage sei, selbst Brennstäbe zu produzieren.

IAEA-Chefinspektor Nackaerts hatte vor dem Abflug in Wien erklärt: "Wichtig ist, dass wir hoffen, einige konkrete Ergebnisse nach der Reise vorweisen zu können". Höchste Priorität habe dabei, noch offene Streitpunkte um mögliche militärische Dimensionen des nuklearen Programms anzugehen. Es handele sich aber um einen sehr komplexen Streitpunkt, der Zeit brauche, sagte Nackaerts. Ein Arbeitsbesuch Ende Januar hatte aus Sicht der IAEA keinen Durchbruch gebracht.